Als zu Halloween Jugendliche die Linzer Innenstadt auf den Kopf stellten, mit Böllern und Feuerwerkskörpern um sich schossen, um den Netflix-Film "Athena" nachzuahmen, und Chaos verbreiteten, wurde die Polizei davon überrascht. Wohl nicht zufällig gab es am Dienstag eine Pressekonferenz der Polizei Oberösterreich, bei der die vorläufige Festnahme zweier junger Männer bekannt gegeben und weitere in Aussicht gestellt wurden. In der Wohnung eines der Männer, einem 19-jährigen Spanier, seien 162 einzelne Sprengkörper der Kategorie F4 gefunden worden, teilte die Polizei mit. Für diese Kategorie braucht es laut Pyrotechnikgesetz Fachkenntnis, da sie "eine große Gefahr" darstellen.

1.000 Polizisten zusätzlich einsatzbereit

Der Zeitpunkt der Festnahme scheint überlegt getroffen worden zu sein: Wegen Wiederholungsgefahr sei die Untersuchungshaft verhängt worden, sagte die Staatsanwaltschaft Linz zur "Wiener Zeitung". Man befürchtet also in der ersten Silvesternacht seit Jahren, in denen es keine pandemiebedingten Beschränkungen mehr gibt, ähnliche Versuche wie vor zwei Monaten. "Man kann nicht sagen, dass wir mehr erwarten, aber wir sind sensibilisiert", sagt dazu ein Sprecher aus dem Innenministerium, das in Vorbereitung für den 31. Dezember 1.000 Polizistinnen und Polizisten vor allem in den Landeshauptstädten zusätzlich einsetzen wird. Grund dieser Sensibilisierung sei nicht nur die Halloween-Nacht in Linz, sondern auch die Erfahrung der letzten Jahrzehnte. "Silvester ist für die Polizei immer ein unberechenbarer Tag", so das Innenministerium. Und trotzdem beobachte die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) die Lage schon jetzt. Auch die Polizei Wien hat eigenen Angaben zufolge soziale Netzwerke nach möglichen Ankündigungen oder Aufrufen durchforstet. In Wien allein werden 500 zusätzliche Beamte eingesetzt werden - auch, weil man mit Störaktionen beim Neujahrskonzert rechnet. Schon in den Tagen davor will die Wiener Polizei in der Öffentlichkeit mehr Präsenz zeigen.

Hohe Dunkelziffer an illegaler Pyrotechnik

Ein anderer Faktor für Sicherheitsbehörden ist die Bedrohung durch illegale Feuerwerkskörper. "Das Pyrotechnikproblem ist trotz aller Kontrollen und Prävention vor allem aus Nachbarländern jedes Jahr extrem groß", sagt das Innenministerium dazu. In Tschechien und der Slowakei würden laut Ministerium am Straßenrand Feuerwerkskörper jener Kategorien verkauft werden, für die es in Österreich eigene Ausbildungen braucht. Die Polizei führt deshalb seit Wochen Schwerpunktaktionen an den Grenzen und neuralgischen Verkehrspunkten durch. Anfang November wurden bei einem Einsatz alleine in Wien 100 Kilogramm illegaler Ware beschlagnahmt, bei einem 14-Jährigen in Wien-Ottakring darüber hinaus rund 2.000 Blitzknallkörper gefunden, die in Österreich verboten sind. Erst am Dienstag wurden bei Personen, die aus der Slowakei angereist sind, neben Messern, Schlagringen und Elektroschockern auch 630 Feuerwerkskörper gefunden. In Oberösterreich habe man laut dem Landespolizeidirektor Andreas Pilsl 165 Kilo Pyrotechnik und 38 Kilo reinen Sprengstoff sichergestellt. Im Jahr würden in ganz Österreich rund zwei bis drei Tonnen an illegalen Feuerwerkskörpern aufgegriffen, sagt Rudolf Jost, Branchensprecher des Pyrotechnikhandels der Wirtschaftskammer. Das Innenministerium geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

Versicherung geht von hohen Schäden aus

Auch dem österreichischen Handel sind illegale Feuerwerkskörper ein Dorn im Auge. In Österreich würden fast alle Fachgeschäfte erst am 27. Dezember mit dem Verkauf beginnen, eine Lärmbelästigung davor sei auf illegale Feuerwerkskörper zurückzuführen, so Jost, der sich für höhere Strafen in diesem Bereich ausspricht. Er befürchtet, dass der illegale Handel mit Pyrotechnik die ganze Branche in Verruf bringe. Ob das Auswirkungen auf den Umsatz hat, wird sich erst zeigen. Für Prognosen sei es noch zu früh. Die stärksten Tage sind der 30. und 31. Dezember. Erst dann wird sich entscheiden, ob das Jahr so erfolgreich sein wird wie 2021. Damals hatte die Branche "ihr bestes Jahr überhaupt" mit einem österreichweiten Umsatz von rund 10 Millionen Euro.

Auch die Versicherungen gehen von "einer normalen Silvesternacht" aus und sprechen von der "teuersten Nacht des Jahres". Die Vorstandsdirektorin der "Wiener Städtischen" Doris Wendler rechnet allein für ihre Versicherung mit Schäden in der Höhe von 4,5 Millionen Euro. Selbst ohne mögliche Ausschreitungen, wie es sie in Linz gegeben hat.