Auf Josef Muchitsch, der von den meisten "Beppo" gerufen wird, ist Verlass. Das gilt für die dem 55-jährigen Gewerkschafter bescheinigte Handschlagqualität ebenso wie für seine politische Linie. Auf die jüngste Arbeitslosenstatistik zum Jahreswechsel antwortete der Sozialsprecher der SPÖ im Hohen Haus am Montag mit der seit langem von Gewerkschaft wie Sozialdemokratie vorgebrachten Forderung, das Arbeitslosengeld künftig von 55 auf 70 Prozent des vorherigen Einkommens zu erhöhen. Im Gegensatz zu Sozialleistungen wie dem Pflegegeld wird nämlich das Arbeitslosengeld als Versicherungsleistung 2023 nicht automatisch an die Teuerung angepasst.

Der in der steirischen Bezirksstadt Leibnitz lebende Muchitsch ist umgänglich, hemdsärmelig und unbeirrbar bis stur, wenn es um Anliegen der Bauarbeiter geht. Etwa bei der Umsetzung, dass ab 32,5 Grad im Sommer hitzefrei sein soll. Vom alten Schlag in der Tradition der Sozialpartnerschaft gab es auch mit Arbeitgebervertretern gemeinsame Initiativen. Neumodernes Management-Palaver ist seine Sache nicht.

Chef der Bauarbeitergewerkschaft ist Muchitsch bereits seit 2015. Knapp vor Weihnachten ist er inzwischen als Nachfolger von Rainer Wimmer als künftiger Vorsitzender der SPÖ-Gewerkschaftsfraktion im ÖGB, kurz FSG, designiert worden, die offizielle Kür folgt heuer im Frühsommer.

SPÖ-Chefin Rendi-Wagner einbetoniert

Von Wimmer übernimmt er auch eine Art Schutzrolle für SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner, die ohne Hausmacht in der SPÖ dasteht und zum Leidwesen mancher progressiverer Kräfte in der Partei schon vor den jetzigen Krisenzeiten die Positionen der Gewerkschaft etwa beim Nein zu Pensionseinschnitten übernommen hat. Knapp vor dem Jahreswechsel hat Muchitsch im ORF-Radio den burgenländischen SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil wegen des "ständigen öffentlichen Anpatzens" der Bundesparteispitze in die Schranken gewiesen, weil das der Bewegung schade. Er verlangte bei der Neujahrsklausur des SPÖ-Bundesparteipräsidiums in Klagenfurt am 4. und 5. Jänner endlich Geschlossenheit: "So geht es nicht weiter."

Der gelernte Maurer wollte damit Rendi-Wagner als Parteichefin einbetonieren. In seiner schnörkellosen Art machte er dem Ärger Luft, den die Vorgangsweise der SPÖ Burgenland mittlerweile bei vielen Genossen auslöst. Dabei stößt Doskozil mit seinem restriktiven Kurs bei Migration und Asyl beim künftigen roten Gewerkschaftschef durchaus auf offene Ohren. Bei der Abstimmung zur Impfpflicht im Jänner 2022 scherte Muchitsch als Vertreter der in dieser Frage kritischen Arbeiter mit seiner Ablehnung aus. Sein Ärger über Doskozil rührt aber daher, dass die Wortmeldungen aus Eisenstadt SPÖ-Inhalte in den Hintergrund drängen.

Seit dem Herbst 2006 gehört Muchitsch mittlerweile dem Nationalrat an. Manche werfen ihm fehlende Flexibilität in Sozialfragen vor. Bei der Entscheidung für den neuen FSG-Chef war sein Nationalratssitz ein Vorteil gegenüber etwaigen Alternativkandidaten wie dem Eisenbahnergewerkschafter und Vida-Chef Roman Hebenstreit. Denn die Gewerkschaft Bau-Holz zählt mit 117.000 Mitgliedern zu den kleineren der ÖGB-Teilgewerkschaften.

Hobbymusiker mit roter Katze

Im Alter von 14 bis 25 war er früher als Hobbymusiker mit "Beppos Danceband" unterwegs. Nach einer Auszeit spielt er nun wieder bei bestimmten Anlässen: Keyboard, Gitarre und Tuba. Auf der kann auch schon mal jemandem der Marsch geblasen werden. Der Lieblingssong des Vaters von drei erwachsenen Kindern stammt von den "Toten Hosen", der Mitsing-Hit "An Tagen wie diesem".

Seit rund einem Jahr gibt es in der Familie einen Neuzugang. Ganz gemäß einem Roten ist es eine rote Katze namens "Chilli".