Es war ein bedrückender Verhandlungstag im großen Schwurgerichtssaal des Straflandesgerichts in Wien. Als einzige Zeugin des Tages war die 47-jährige Mutter des Attentäters K.F. zum Terrorprozess geladen. Sie gab dem Richter und den Schöffen einen Einblick ins familiäre Verhältnis und erzählte von ihrem Sohn, der am 2. November 2020 mit Kalaschnikow, Pistole und Machete bewaffnet durch die Wiener Innenstadt zog und vier Menschen tötete. An dem Abend starb auch der Attentäter. Dementsprechend vorsichtig legte der Richter seine Befragung an und vermied das Wort Anschlag in seinen Fragen. "Es ist mir bewusst, dass es nicht einfach ist, hier zu sein", sagte er zur Zeugin. Danach gefragt, ob ihr Sohn Hilfe bei der Planung und Vorbereitung hatte, antwortete sie: "Ich glaube schon, dass da jemand mitgeholfen hat."

Zwei Freunde ihres Sohnes wiedererkannt

Als ein Geschworener der 47-Jährigen sein Beileid aussprach und sagte, er habe selbst einen Sohn verloren und kenne das Gefühl, wurde es emotional. Die Mutter kämpfte gegen die Tränen und die Verhandlung musste auf Bitten einer Geschworenen für mehrere Minuten unterbrochen werden.

Von den sechs Angeklagten, denen die Staatsanwaltschaft vorwirft, sie hätten K.F. bei der Vorbereitung des Attentats geholfen und ihn ermutigt, kennt die Mutter nur zwei: den 22-jährigen Zweitangeklagten und den 24-jährigen Drittangeklagten. Sie sollen K.F. noch am Tag des Attentats in seiner Wohnung besucht und bei den Vorbereitungen geholfen haben, was die zwei bestreiten. Beide kenne die Mutter vom Sehen, es seien Freunde ihres Sohnes gewesen. Die Frage, ob man die Freundschaft als lange und intensiv bezeichnen könnte, bejahte sie. Auch die beiden Angeklagten gaben in ihren Befragungen an, mit K.F. befreundet gewesen zu sein. Die Mutter widersprach aber Aussagen des Drittangeklagten, dass es zwischenzeitlich ein schlechtes Verhältnis zwischen dem Attentäter und dem 24-Jährigen gab. "Das stimmt nicht", die beiden seien zusammen trainieren gegangen, erzählte sie. Am Tag vor dem Attentat erzählte K.F. seiner Mutter, beim Drittangeklagten übernachten zu wollen.

In den Monaten vor dem Anschlag sei sein Verhältnis zur Familie zunehmend besser geworden: "In den letzten Monaten war er viel netter als sonst, viel zuvorkommender", sagte sie. Man habe an den Wochenenden zusammen gegessen und trotz eigener Wohnung verbrachte K.F. viel Zeit bei seinen Eltern, so die Mutter. Sie vermutet, um näher bei seinen Freunden sein zu können. Vom großen Freundeskreis ihres Sohnes sei sie nach dem Attentat überrascht gewesen.

Nach seiner Haftentlassung wegen einer versuchten Ausreise nach Syrien war K.F. noch abweisend, habe mit seinen Eltern wenig zu tun haben wollen und nannte seine Mutter im Streit eine "Ungläubige", weil sie kein Kopftuch trägt. Daraufhin habe man das Thema Religion gemieden. Gleichzeitig dürfte die Mutter von den Aktivitäten ihres Sohnes wenig mitbekommen haben. Einzig, dass er viel trainierte und lange ausschlief, bekam sie mit.

Viertangeklagter war kurzzeitig Mitbewohner

Zufällig sei sie draufgekommen, dass in der Wohnung ihres Sohnes noch jemand anderes wohnte, berichtete die 47-Jährige. Darauf angesprochen, meinte K.F., dass es sich um einen Freund handle, den er für kurze Zeit bei sich wohnen ließe. Dabei handelte es sich um den Viertangeklagten, dessen DNA-Spuren - aber keine Fingerabdrücke - auf mehreren Waffen gefunden wurden.

Für die Verteidiger war es aus mehreren Gründen ein schwerer Tag: Zum einen ist die Akustik des Schwurgerichtssaales so schlecht, dass die Anwälte zum Unmut des Richters mehrmals nachfragen mussten. Zum anderen, weil sie einige Widersprüche mit früheren Aussagen der Zeugin finden wollten und bei der Befragung sichtbar den Unmut mehrerer Laienrichter auf sich zogen.