Zu den insgesamt gut 10.000 Kassenarztpraxen in Österreich sollen 500 weitere Stellen kommen. Das werde man jetzt gemeinsam mit der Ärztekammer angehen. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erläutert Andreas Huss, der im ersten Halbjahr 2023 Vizeobmann der Gesundheitskasse (ÖGK) ist, dass in Wien neben Kinderärzten speziell zusätzliche Kassenstellen in der Gynökologie vorgesehen sind: "Das größte Thema ist in Wien die Gynäkologie."

Die 500 zusätzlichen Kassenstellen hat der ÖGK-Vizeobmann zuerst in der "ZiB2" am vergangenen Donnerstag angekündigt. Dabei wird man sich auf vier Fächer konzentrieren: Kinderfachärzte, Gynäkologie, Hautärzte sowie interne Medizin. Daneben laufen die Bemühungen, die bisher unbesetzen 309 Kassenpraxen von den insgesamt gut 10.000 zu besetzen. In Niederösterreich betreffe das in erster Linie Hausarztpraxen etwa im Waldviertel. Dabei versucht die Gesundheitskasse, mit Gruppenpraxen und einem sogenannten "Sorglos"-Paket bei der Einführung einer neuen Ordination Jungmediziner zu unterstützen.

In Fächern mit längeren Wartezeiten

Richtschnur für die Schaffung der zusätzlichen 500 Kassenstellen seien jene Bereiche, in denen Wahlärzte "mehr als 50.000 Euro pro Jahr direkt mit uns abrechnen", erklärt Huss: "Gerade in den Fächern haben wir längere Wartezeiten für Patienten." Konkret müssen die zusätzlichen Praxen jeweils mit der Ärztekammer im jeweiligen Bundesland ausgehandelt werden, weil die Ärztevertretung im Gegensatz zur bundesweiten Gesundheitskasse für die Arbeitnehmer weiter länderweise organisiert ist.

In der Gynäkologie kommt vor allem die Entwicklung dazu, dass Frauen lieber zu Gynäkologinnen gehen möchten, während es in der Vergangenheit vor allem Gynäkologen gegeben hat. Derzeit gebe es noch immer rund 60 Prozent Gynäkologen. Wegen der Bevorzugung von Frauen bei neuen Ordinationen hat es Beschwerden beim Verfassungsgerichtshof gegeben. "Es hat schon mehr Klagen gegeben, als uns lieb ist", sagt Huss, wenngleich das Höchstgericht das Vorgehen der Kasse bisher gebilligt hat.

35 weitere Primärversorgungszentren

Bei den Hausärzten ist die Einrichtung sogenannter Primärversorgungszentren, in denen etwa auch Pflege oder Psychotherapie angeboten wird, bisher nur schleppend verlaufen. Von den seit langem geplanten 75 Primärversorgungseinrichtungen sind vorerst nur 38 tatsächlich in Betrieb. Allerdings soll deren Einrichtung nun vorangetrieben werden, beispielsweise auch in Niederösterreich. In Tirol gibt es bisher noch kein einziges Primärversorgungszentrum.

In Wien wurde mit Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) ein Ausbauplan vereinbart. Demnach sollen in der Bundeshauptstadt bis 2025 insgesamt 35 weitere Primärversorgungseinrichtungen ausgeschrieben werden, kündigt Huss, der oberste Arbeitnehmervertreter in der Gesundheitskasse, an.