Es hätte eine – zugegeben – ungewöhnliche Befragung werden sollen. Am Ende gab es Pleiten, Pech und Pannen: Ein Zeuge aus der Slowakei hätte im Prozess gegen sechs mutmaßliche Gehilfen des Attentäters vom 2. November 2020 über den versuchten Munitionskauf berichten sollen. Er wollte dies anonym machen, deshalb wurden in der Videoschaltung in die Slowakei seine Stimme verzerrt und das Bild vernebelt. Zur Identitätsüberprüfung saß neben dem Zeugen ein slowakischer Richter, doch das gelang im ersten Anlauf nicht, dem Richter lagen falsche Daten vor. Das führte zur ersten Unterbrechung des Tages.

Die zweite Unterbrechung kam dann kurz nach Wiederaufnahme des Verfahrens: Nach den ersten stimmenverzerrten Worten des Zeugen, meldete sich der Verteidiger des Erstangeklagten, der mit dem späteren Attentäter K.F. in die Slowakei zum Munitionskauf gefahren sein soll, zu Wort: Die hohe Piepsstimme und die visuelle Unkenntlichkeit des Zeugen widerspreche der Strafprozessordnung, sei also nicht rechtskonform. Man müsse die Mimik des Zeugen erkennen können.

Modeschau mit Polizisten

Daraufhin gab es mehrere Vorschläge, wie die Befragung trotzdem durchgeführt werden könnte: Ausschluss der Öffentlichkeit, war die eine, eine nach österreichischem Recht mögliche Verkleidung eine andere. Der slowakische Richter schlug dazu noch vor, eine Sturmhaube zu verwenden, bei der man Augenpartie und Mund sehen könne. Er ließ sie daraufhin von einem Polizisten herbeischaffen, aufsetzen und vorführen. Verteidiger und Erstangeklagter stimmten der Vernehmung trotzdem nicht zu, sie wurde auf den 19. Jänner verschoben.

Eine andere anonyme Befragung hätte schon am Dienstag stattfinden sollen, doch nach mehreren Minuten Gespräch zwischen dem österreichischen und slowakischen Richter stellte sich heraus, dass der Zeuge gar nicht anwesend war. Wegen hohen Fiebers musste die Befragung damals verschoben werden. Getestet hat den Aufbau und die verzerrte Stimme damals niemand.

Neuer LVT-Bericht zu radikal-islamistischen Hintergrund eines Angeklagten

Vor der schiefgegangenen Befragung legte die Staatsanwaltschaft einen neuen Bericht des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) vor. Es war eine Einschätzung zur Einstellung des Viertangeklagten, dessen DNA-Spuren auf allen Waffen, die beim Attentat verwendet worden sind, gefunden wurde.

Der 28-Jährige sei seit dem 14. Lebensjahr "als Mitglied der radikal-islamistischen Szene einschlägig bekannt" und sei auch als wiederkehrender Besucher einschlägiger Moscheen identifiziert worden. Bei Ermittlungen zu anderen möglichen Islamisten, sei der 28-Jährige zudem mehrmals aufgetaucht.

Die Aussage soll gemeinsam mit der zweiten anonymen Zeugenbefragung am 19. Jänner nachgeholt werden. Wie das rechtskonform und ohne Einsprüche des Verteidigers stattfinden kann, muss erst geklärt werden.