An der künftigen Zahl der Ausbildungsplätze für künftige Mediziner scheiden sich die Geister – auch zwischen dem steirischen Landeshauptmann Christopher Drexler (ÖVP) und dem aus der Steiermark kommenden Bildungsminister Martin Polaschek. Der Ressortchef hat zuletzt im parlamentarischen Wissenschaftsausschuss betont, er sehe die Lösung zur Beseitigung des Ärztemangels nicht darin, die Zahl der Studienplätze noch stärker auszuweiten als bereits vorgesehen sei. Nach einem Stufenplan noch aus der Zeit seines Vorgängers Heinz Faßmann wird die Zahl der Studienplätze insgesamt von bisher 1850 auf 2000 bis zum Jahr 2028 erhöht. Für Drexler ist das, wie er der "Wiener Zeitung" mitteilte, zwar ein wichtiger erster Schritt, aber noch nicht ausreichend.

Für den steirischen Landeshauptmann und ÖVP-Landeschef ist die vom Wissenschaftsministerium eingeschlagene Ausbaugeschwindigkeit nicht schnell genug. Rund 300 Kassenstellen für Ärzte sind derzeit nicht besetzt, in Spitälern ist die Personalsituation teilweise so angespannt, dass Betten nicht belegt werden können und Abteilungen vorübergehend geschlossen werden müssen.  "Wir haben beim Bund mehrfach deponiert, dass wir die weitere Aufstockung der Medizinstudienplätze für dringend notwendig halten", erklärt Drexler: "Dass das trotz der angespannten Personalsituation im gesamten Gesundheitsbereich nicht passiert, kann ich nicht nachvollziehen."

Landeschef gegen "Verknappung"

Die Bundesländer haben schon im November 2021 einstimmig eine Aufstockung des Ausbildungs-Kontingents für den Ärztenachwuchs von der Bundesregierung gefordert. Das geht hin bis zu einer Verdoppelung auf 3600 Studienplätze. Der steirische Landeshauptmann selbst hat im Interview mit der "Wiener Zeitung" nach seinem Amtsantritt im Juli des Vorjahres gefordert, allein in Graz die Zahl der Studienplätze pro Jahrgang von bisher 350 "um zumindest 50 bis 70 Studienplätze zu erhöhen", das halte er für vertretbar.

Drexler lässt trotz der jüngsten Aussage des Wissenschaftsministers in dieser Frage nicht locker. Die Steiermark werde nicht aufgeben und weiter darauf drängen. "Denn ich sehe nicht ein, warum eine künstliche Verknappung geschaffen wird", argumentiert der ÖVP-Landeschef. Für das Studienjahr 2022/23 habe es mehr als 2.500 Bewerberinnen und Bewerber für knapp 350 Humanmedizin-Studienplätze in Graz gegeben.

"Wir brauchen mehr Ärztinnen und Ärzte", betont Drexler.  Daher habe man auf Landesebene ein umfassendes Stipendienprogramm gestartet, um mehr junge Medizinerinnen und Mediziner auch für die Patientenversorgung in der Steiermark zu gewinnen. "Mehr Studienplätze wären daher nicht die einzige notwendige Maßnahme, aber ein wichtiger Schritt gegen den Ärztemangel", meint der steirische Landeshauptmann.

Ausbauplan um je 50 Plätze bis 2028

Der Minister hatte im Wissenschaftsausschuss laut Parlamentskorrespondenz argumentiert, das Problem sei nicht die Zahl der Absolventen im Medizinbereich. Es gehe darum, den Berufseinstieg attraktiver zu machen, um Jungärzte in Österreich zu halten.

Schon im Vorjahr hatte der Wissenschaftsminister die Aufstockung in dem länger geplanten Ausmaß in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage verteidigt. In dem Programm "UniMedImpuls 2030" der Bundesregierung sei auch die Erhöhung um 200 Studienplätze in der Humanmedizin bis 2028 vorgesehen. Dies sei in der Leistungsvereinbarung 2022 bis 2024 mit den Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck und Linz vereinbart. Nach dem Beginn der Ausweitung im Wintersemester 2022/2023 um 50 Medizinstudenten seien jeweils 50 weitere Studienplätze für die Jahre 2024, 2026 und 2028 vorgesehen.