Wien. (zaw) Gerade einmal eine Woche brauchten SPÖ und ÖVP, um in Sachen Oberstufenreform wieder auf einer Linie zu sein. Verglichen mit anderen Streitthemen war die Debatte darüber, mit wie vielen Nicht genügend man aufsteigen darf, also höchstens ein kurzer Sommerschauer, der die koalitionäre Heiterkeit nur vorübergehend trübte. Schließlich einigten sich Rot und Schwarz darauf, dass man künftig im Rahmen der modularen Oberstufe mit höchstens zwei Fleck in die nächste Schulstufe kommt. Nur in Ausnahmen soll es auch mit drei Fünfern möglich sein.

Entsprechend zufrieden über die wiedergefundene Schönwetterlage zeigten Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger sich am Dienstag nach dem Ministerrat. Die Regierung arbeite "Punkt für Punkt" an einer "leistungsorientierten und motivierenden Schule", so Faymann. Spindelegger verteidigte das Nachverhandeln in Sachen Aufstiegsregelung: "Wir haben uns zusammengesetzt, um den Dissens, den wir bei einem Thema hatten, in einen sehr positiven Konsens umzuwandeln." Dies sei innerhalb einer Woche gelungen. "Wenn das überall gelingt, bin ich sehr zuversichtlich", so Spindelegger.

Kanzler Faymann hatte am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" Kommunikationsfehler seitens der Unterrichtsministerin für die große Ablehnung der ursprünglichen Einigung (Aufstieg mit drei Fünfern) verantwortlich gemacht. Dies soll sich nun nicht mehr wiederholfen. "Jetzt muss man das genau erklären", so Faymann.

Die Eckpunkte

In diesem Sinne hier die Eckpunkte der neuen modularen Oberstufe, die ab 2016 flächendeckend umgesetzt sein soll:

Die Beurteilung der Schüler erfolgt künftig semester- und jahresweise.

Der Semesterstoff wird in (im Regelfall zwei) Module unterteilt. Die einzelnen Module bauen nicht aufeinander auf.

Für ein positives Semesterzeugnis sind alle Module positiv abzuschließen. Dies ist insofern eine Verschärfung, als man mit einem Sehr gut in einem Modul ein Nicht genügend in einem anderen Modul desselben Fachs nicht ausbessern kann. Von einer Verschärfung will man im Unterrichtsministerium allerdings nichts wissen. Vielmehr werde der Schüler "gefordert, eine kontinuierliche Leistung zu bringen".

Im Fall eines Nicht genügend ist die Prüfung über das betreffende Modul zu wiederholen. Dafür hat der Schüler mindestens drei Antrittsmöglichkeiten in den darauffolgenden zwei Semestern, die Direktion kann sogar einen vierten Antritt erlauben.