Wien. (temp) Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich erkranken rund 4600 daran, ein Drittel stirbt. Als Antwort darauf hat Gesundheitsminister Alois Stöger im Vorjahr die Idee eines flächendeckenden Brustkrebs-Screenings für die Risikogruppe geboren - am Dienstagnachmittag haben sich diesbezüglich zumindest der Hauptverband der Sozialversicherungsträger und die Ärztekammer geeinigt. Nun fehlt nur noch der positive Beschluss in der Bundeskommission, den Stöger am Freitag erwartet.

Die Finanzierung wird laut Hauptverband erst im Herbst geklärt sein. Fix ist, dass sich dieser mit dem Bund und den Ländern die Kosten teilen wird - kolportiert werden 45 Millionen Euro im Jahr. Derzeit laufen bereits fünf Pilotversuche.

Das neue System soll 2013 starten. Es sieht Screenings im Abstand von zwei Jahren für alle Frauen zwischen dem 45. und 69. Lebensjahr vor. Mehr als eine Million Menschen gehören dieser Gruppe an. Die Untersuchung ist laut Stöger freiwillig - eine Teilnahmerate von 70 Prozent wird angestrebt. Die Kandidatinnen erhalten die Einladungen zugesandt, die gleichzeitig ärztliche Überweisungen sind. Österreichweit wird es 200 Ordinationen für Screenings geben.

Fehldiagnose vermeiden


Um Fehldiagnosen zu vermeiden, sollen die Patientinnen von zwei Radiologen untersucht werden. Wird bei der Mammografie dichtes Brustgewebe festgestellt, folgt eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung.

"Mit solchen Massenuntersuchungsprogrammen kann man höchstens die Lebensjahre nach Diagnosestellung vermehren - nicht aber die Gesamtlebensjahre", kritisiert allerdings Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes. Eine Frau, die im März gesund ist, könne bereits im Oktober ein Karzinom haben. Ingrid Reischl von der Wiener Gebietskrankenkasse kontert: In den Niederlanden habe die Sterblichkeit der 55- bis 74-Jährigen durch das Screening-Programm um 25 Prozent abgenommen.