Seit 1978 kämpften die Zeugen Jehovas für die Anerkennung als Religionsgemeinschaft. Doch alle innerstaatlichen Rechtsmittel verhalfen der Gemeinschaft nicht zum Erfolg, weshalb sie eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einbrachte. Im Juli 2008 entschieden die Richter, dass die österreichischen Behörden die in der Menschenrechtskonvention festgeschriebene Religionsfreiheit verletzt hätten. Eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft müsse für jede Gemeinschaft nach der Prüfung objektiver Kriterien erfolgen.

Die Anerkennung bringt den Zeugen Jehovas etwa den Vorteil, mit klarem Rechtsstatus offen auftreten zu können, heißt es in deren Begründung für das Ansuchen. Weiters hat die Religionsgemeinschaft künftig das Recht, an Schulen Religionsunterricht anzubieten. Laut Ministerium werden die Zeugen Jehovas davon aber aus organisatorischen Gründen vorerst keinen Gebrauch machen.

Für die Anerkennung als Religionsgemeinschaft in Österreich gilt: Die Gruppe muss mindestens zwanzig Jahre bestehen, davon zehn als Bekenntnisgemeinschaft, sowie zumindest 16.000 Mitglieder (zwei Promille der Bevölkerung) aufweisen. Auch eine "positive Grundeinstellung gegenüber Staat und Gesellschaft" ist Voraussetzung, weiters dürfen Geldmittel nur für religiöse und mildtätige Zwecke verwendet werden. All diese Faktoren würden von den Zeugen Jehovas erfüllt, hieß es seitens des Ministeriums.

"Positives Signal"

Mit derzeit etwa 23.200 Mitgliedern sind die Zeugen Jehovas die fünftgrößte Glaubensgemeinschaft in Österreich. Sie finanzieren sich laut eigenen Angaben aus freiwilligen Spenden ihrer Gläubigen; von der sich nun bietenden Möglichkeit, Mitgliedsbeiträge einzuheben, werde man keinen Gebrauch machen, sagt der Vorsitzende in Österreich, Johann Renoldner.

Die Gruppe sieht ihre Anerkennung als staatliche Religionsgemeinschaft als "positives Signal zur Wahrung der Religionsfreiheit und der Rechte von Minderheiten". Renoldner wörtlich: "Seit fast hundert Jahren engagieren sich Jehovas Zeugen in Österreich für christliche Werte auf der Grundlage des biblischen Evangeliums, was wir nun als anerkannte Religion noch besser tun können." Durch den neuen Status würden administrative Tätigkeiten in vielen Bereichen einfacher.

Die Zeugen Jehovas wurden bisher oft als Sekte bezeichnet, ihre Lehre und Praxis (siehe Kasten "Wissen") sind nicht ganz unumstritten.