Und dann kam die Zäsur des feigen Bombenattentats, das Zilk "am Ende seines Lebens zum Krüppel machte", wie er es selbst formulierte. Da kam das dritte Leben Helmut Zilks, das er an jenem grauen Dezember-Tag des Jahres 1993 am Operationstisch des Wiener AKH geschenkt bekam, als die Ärzte viele Stunden lang um sein Leben kämpften: Helmut Zilk als Opfer, das nur wenige Tage danach in einer bewegenden Pressekonferenz noch mit den Wunden im Gesicht und einem Kreuz in der Hand versicherte, er werde sich so sicher nicht in die Knie zwingen lassen.

Zilk wurde "Stadtgespräch"

Freitagfrüh ist Helmut Zilk im Wiener Wilhelminenspital nach einem mehrwöchigen Spitalsaufenthalt in Folge einer Operation unerwartet an Herzversagen gestorben.

Das Journalistische lag Helmut Zilk sozusagen in den Genen, als er 1927 in Favoriten geboren wurde - sein Vater war Zeitungsangestellter. Dennoch studierte Zilk vorerst Pädagogik und Germanistik und wendete sich nach dem Doktorat der Lehre zu. Über das Schulfernsehen kam Zilk zum ORF. 1962 wurde Zilk mit einem Schlag der Öffentlichkeit bekannt, als er mit den "Stadtgesprächen" die Talkshow in Österreich erfand. Und das in einer Zeit, als Politiker und Journalist noch Fragen (und Antworten!) vor einem TV-Interview abzusprechen pflegten.

Bei Zilk war alles spontan, alles live, da konnte schon einmal jemand aus dem Rahmen fallen - seinerzeit ein unerhörter Kulturbruch, der die "Stadtgespräche" zum Gassenfeger machte. Mit seinem rhetorischen Talent redete er seine Gäste schon damals um Kopf und Kragen, ein Zug, den er in seinen Sendungen zeitlebens beibehalten sollte. Eine gemeinsame Live-Sendung mit dem Staatsfernsehen der ÈSSR über den Eisernen Vorhang hinweg wurde als sensationell empfunden.

Der Aufstieg war nur die logische Folge, 1967 wurde Zilk Programmdirektor, der er bis 1974 blieb. 1978 scheiterte Zilk bei der Wahl zum ORF-General ausgerechnet an seinem Mentor Gerd Bacher, weil es der schwarze Tiger besser schaffte, die SPÖ-Stimmen zu holen. Kurz darauf holte ihn der Wiener Bürgermeister Leopold Gratz als Kulturstadtrat in die Wiener Landesregierung, wo er die Wiener Festwochen erfand. Nach einem Zwischenspiel als Unterrichtsminister (in der Zeit, als Claus Peymann an das Burgtheater wechselte) wurde Zilk 1984 Wiener Bürgermeister und hatte damit wohl seine Lebensrolle gefunden.

Gemeinsam mit seinem Finanzstadtrat Hans Mayr, den Zilk als "Lebensfreund" beschrieb, verpasste er Wien einen bisweilen heftig umstrittenen Modernisierungsschub. Die Kontroverse um das modernen Haas-Haus gegenüber dem Stephansdom - ein paar Schritte von Zilks privater Wohnung in der Naglergasse entfernt - ist nur einer der Sträuße, die Zilk bei der Modernisierung des Stadtbildes wortgewaltig ausfocht. Der Bürgermeister mit exzellentem Kontakte zur "Krone" schaffte es, zu vermitteln, dass er sich um die Sorgen der Bürger persönlich kümmert. Sei es um den Plakatwildwuchs, die Farbe der Müllabfuhr oder die Hundstrümmerln, die Zilk in einer ebenso denkwürdigen wie kabarettreifen Pressekonferenz thematisierte. Zilk an vorderster Front, zur Not auch gegen die Partei, so sah sich Zilk gerne inszeniert - und erinnerte dabei viele in seiner Medienwirksamkeit an Bundeskanzler Bruno Kreisky. Unkonventionalität bis zum Eigensinn prägten seinen Stil, auch als er die Ausgrenzungpolitik der SPÖ gegenüber Jörg Haider hinterfragte.