Für den früheren Bundesheer-Strategen Gerald Karner lässt die neue Sicherheitsstrategie, auf die sich SPÖ und ÖVP am Dienstag geeinigt haben, zu viele Fragen offen, wie er am Mittwoch im ORF-Radio erklärte. Zwar wird in dem rot-schwarzen Papier die Bedeutung internationaler Einsätze betont, für Karner bleibt aber gerade hier vieles unbeantwortet. So bleibe offen, wie stark und umfangreich sich Österreich an Auslandseinsätzen beteiligen soll und welche Aufgaben das Bundesheer dabei erfüllen könnte. "Das alles geht aus dieser Sicherheitsdoktrin viel zu wenig hervor", so Karner.

Auch Erich Reiter, früherer Sektionschef im Verteidigungsministerium, kritisiert das Papier. Er ortet Widersprüche, etwa wenn an der Neutralität festgehalten wird, gleichzeitig aber an EU-Kampftruppen teilgenommen werden soll. Für Reiter und Karner ist aber eines klar: Das Heer kann seinen künftigen Aufgaben nur im Rahmen eines Berufsheeres gerecht werden.

Darabos auf Werbetour durch die Bundesländer

Das sieht Verteidigungsminister Norbert Darabos ebenso. Dieser will über die Aufhebung der Wehrpflicht zwar nicht mit den Ländern reden, aber dafür in den Ländern. Derzeit ist Darabos auf Bundesländertour, um - in erster Linie bei den SPÖ-Landesgruppen - für sein Modell einer Freiwilligenarmee zu werben.

Am Rande einer entsprechenden Veranstaltung in Klagenfurt erklärte der Minister, dass der im Zuge der Wehrpflichtdebatte abberufene Generalstabschef Edmund Entacher den Bescheid über seine Dienstzuteilung als Leiter im Führungsunterstützungszentrum bereits erhalten habe.

Entachers Zukunft weist sich in drei Wochen

Eine solche Dienstzuweisung ist auf maximal 90 Tage begrenzt. Bis zum 24. März werde über die weitere Verwendung des Generals entschieden, so Darabos. Die Schwierigkeit dabei: Laut Beamtendienstrecht darf Entacher nicht in einer Position unter seiner bisherigen eingesetzt werden, auf der Ebene des Generalstabschefs gibt es aber nur eine Position.

Auch die Leitung des Führungsunterstützungszentrums ist weit unter Entachers bisheriger Tätigkeit, was zu Kritik von Seiten der Offiziersgesellschaft führte. Dies sei ein Zeichen "für das schäbige Verhalten" des Ministers, erklärte Offizierspräsident Eduard Paulus und forderte einmal mehr Darabos Rücktritt.