Wien. Lob und Kritik hat es für den am Mittwoch präsentierten Integrationsbericht gesetzt. Die Grünen erkennen darin "viele langjährige Grüne Forderungen", vermissen allerdings die Punkte Antidiskriminierung sowie Mitbestimmung. Der Wiener Caritasdirektor Michael Landau plädierte in einer Aussendung dafür, "vom Reden zum Tun zu kommen".

Die Stadt Wien wiederum sieht sich angesichts des Integrationsbericht des Bundes als Vorbild. So sei etwa der angekündigte "Bildungspass" ein bestehendes Wiener Modell, betonte eine Sprecherin der Wiener Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger. Auch das Konzept von "Mama lernt Deutsch" werde übernommen. Dementsprechend gab es aus dem Rathaus Lob: Der Bericht enthalte Maßnahmen, die sinnvoll seien. Jetzt gehe es jedoch um die Frage der Umsetzung und Finanzierung. Bekräftigt wurde in Wien aber auch Kritik - etwa an der Maßnahme "Deutsch vor Zuzug".

  Der "Wiener Bildungspass" sei laut Frauenberger-Büro erfolgreich. Er wurde 2008 als Teil des Programms "StartWien" entwickelt und dient laut Rathaus als Nachweis der besuchten Sprachkurse, Beratungen sowie Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen. Er wird neu Zugewanderten im Rahmen des sogenannten Startcoachings übergeben.

Rasches Handel gefordert

Grünen-Menschenrechtssprecherin Alev Korun drängt in einer Aussendung auf rasches Handeln, denn die Umsetzung der Expertenvorschläge sei "überfällig". Auch Landau zeigte sich erfreut über die Veröffentlichung des Berichts, hofft aber auf einen "Rationalitätsschub". Es fehle nicht an Papieren, sondern an der Umsetzung, erklärte der Wiener Caritasdirektor gegenüber der Kathpress.

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky meinte: "Es wird am verfehlten Prinzip der Massenzuwanderung festgehalten." Er pochte auf einen "Zuwanderungsstopp", denn Österreich habe nicht die Kapazitäten, um den "Strömen" gerecht zu werden. Nun werde lediglich dem Wunsch der Wirtschaft und Industrie nach billigen Arbeitskräften entsprochen.

Aus Sicht der Industrie ist wiederum die Stärkung der Teilnahme am Bildungssystem ein zentraler Vorschlag. "Die Qualifikation der nächsten Generationen entscheidet unsere Zukunft als Industrie- und Arbeitsstandort", erklärte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer, in einer Aussendung. Derzeit schöpfe Österreich das bestehende Bildungspotenzial der Bevölkerung nicht gänzlich aus, eine Verbesserung bei der Anerkennung sei deshalb wesentlich. Positiv sei weiters, "dass man nun vom Planen zum Umsetzen kommt", so Neumayer.

BZÖ-Generalsekretär Christian Ebner kritisierte Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz und bezeichnete den Bericht als "bloßes Sammelsurium von Expertenmeinungen". Ebner verwies weiters auf den "Katalog für Integration" des Bündnisses. "In Fragen der Integration sind auch die Eltern in die Pflicht zu nehmen", so der Generalsekretär.