Brisant ist die Selbstanzeige dennoch. Bezieht sich doch die Steuerhinterziehung auf seine Zeit als Finanzminister (2000 bis 2007). Es geht um 18.000 Euro, die Grasser zwischen 2002 und 2008 nicht an die Finanz abgeführt hat. Das Geld habe er in seiner Zeit als Magna-Manager im Ausland verdient und auf ein kanadisches Wertpapierdepot gelegt. Grasser, schreibt "Format", habe seit 1999 diverse Einkünfte aus Spekulationsgewinnen, Zinsen und Dividenden nicht deklariert.

Die Steuerschuld sei mit dem Einbringen der Selbstanzeige beglichen worden. Die Selbstanzeige hat strafbefreiende Wirkung. Was vor 2002 geschah, gilt für die Finanz als verjährt.

"Der oberste Steuereintreiber war also zugleich oberster Steuersünder", sagte dazu Grünen-Abgeordnete Gabriela Moser. Auch für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter ist nun "das Maß endgültig voll, der weinerliche Offene Brief an die Justiz und die peinlichen TV-Interviews mit dem Ziel der Selbstreinwaschung sind ab sofort Makulatur".

"Man muss Herrn Grasser schon deutlich zurechtweisen und von seinem hohen Ross herunterholen." So reagierte Justizministerin Claudia Bandion-Ortner auf den Beschwerdebrief Grassers über undichte Stellen in der Justiz.

Dem "Falter" wurde nämlich bekannt, dass Staatsanwaltschaft und Finanzamt in einem Firmengeflecht rund um Grassers Stiftungen in Liechtenstein, "Silverland" und "Waterland", ermitteln. Es bestehe der Verdacht, dass Grasser "dem Inland zurechenbare Einkünfte aus ausländischen Gesellschaften bezogen" und diese nicht versteuert habe.

In "Waterland" soll Grasser seinen Drittelanteil an der Meinl Power Management Ltd. eingebracht haben, der mehr als drei Millionen Euro wert sein soll. Diese Liechtenstein-Stiftungen haben etliche Tochterfirmen. Daraus sollen laut "Kurier" nicht nur ein kostengünstiger Millionenkredit zur Finanzierung seines Penthouse finanziert worden sein, sondern auch Grassers "Valuecreation". Diese Firma habe Beträge über mehrere 100.000 Euro von der Grasser-Firma "Silverwater Inveast & Trade Inc." bekommen. Valuecreation erzielte 2009 einen Gewinn von 780.000 Euro.

Daneben droht Grasser Ungemach an zwei anderen Fronten. Er steht auf der Zeugenliste für die nächste Sitzung des Hypo-U-Ausschusses am 23. Februar. Und im Zuge des AvW-Prozesses und die Rolle der damaligen Bundeswertpapieraufsichtsbehörde hat die Klagenfurter Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auch auf den damaligen Finanzminister ausgeweitet.