Darüber hinaus gibt es 165 weitere Offiziere im Generalssrang: sechs Generalleutnante (drei Sterne), 15 Generalmajore (zwei Sterne) und sage und schreibe 144 Brigadiere (ein Stern).

Angesichts dieser Schwemme an Generälen bezeichnete die "Neue Zürcher Zeitung" im vergangenen August das Bundesheer als "ein Heer von Generälen - fast ohne Armee". Auch General Entacher räumte just in jenem "Profil"-Interview, das ihn schließlich den Kopf gekostet hat, ein, dass der Eindruck entstehen könnte, dass es zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer gibt. Zwar sei die Zahl der Zwei- bis Vier-Sterne-Generäle durchaus im internationale Schnitt, aber "irritierend ist bei uns die hohe Anzahl der Brigadiere", so Entacher.

Dass es bei vier Brigaden (zwei Panzergrenadierbrigaden und zwei Jägerbrigaden) 144 Brigadegeneräle gibt, ist eine Folge des Dienstrechts. Während zivile Beamte ab einer gewissen Stufe den Titel Hof- oder Ministerialrat verliehen bekommen, werden Militärbeamte zu Brigadieren. Es ist quasi eine Art Alterserscheinung.

Das Gros sitzt in der Heeresverwaltung

Das Gros der Ein-Stern-Generäle sitzt in der Verwaltung - und hier sitzt für Gerald Karner, jahrelanger Militärstratege beim Heer und selbst Brigadier a.D., das eigentliche Problem: "Der Verwaltungsapparat des Heeres ist zu groß." Das sei eine "normale Entwicklung der Bürokratie, die von Zeit zu Zeit korrigiert werden muss", sagt Karner zur "Wiener Zeitung".

Eine Gelegenheit für eine solche Bereinigung wäre laut Karner die Umstellung von einer Wehrpflichtarmee auf ein Freiwilligenheer. Die diesbezügliche Diskussion sieht er aber auf dem falschen Weg: "Derzeit wird eine personal- und parteipolitische Debatte geführt. Es geht um den Kopf des Generalstabschefs und des Verteidigungsministers, nicht um Sachfragen."

Unter den Sachfragen versteht Karner eine Diskussion über die zukünftigen Aufgaben des Bundesheeres. Die Struktur des Heeres, die derzeit diskutiert werde, müsse sich nach dessen militärischer Kernaufgabe richten. Da die Notwendigkeit einer direkten Landesverteidigung derzeit nicht vordringlich sei, geht es für Karner dabei vor allem um militärische Auslandseinsätze im Rahmen eines EU-Auftrags.

Für die Erfüllung dieser Kernaufgaben wäre laut dem Experten eine Truppe von 15.000 bis 16.000 Soldaten "recht realistisch". Rund 5000 davon werden für die Auslandseinsätze benötigt (jeweils ein Drittel davon in Rotation), der Rest stünde als Kapazität für das zur Verfügung, was Karner "sekundäre Aufgaben" bezeichnet, also die Katastrophenhilfe und Assistenzeinsätze im Inland.

Und was ist mit der von Darabos geplanten Miliz? "Eine Miliz brauchen wir sowieso nicht", so Karner, "höchstens für Spezialfunktionen", die als Dauerpersonal im Heer "ökonomisch nicht sinnvoll" wären, etwa Techniker oder Ärzte.