Die Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg brachte nicht nur das Ende des habsburgischen Vielvölkerimperiums, sondern vorübergehend auch der Militärakademie in Wr. Neustadt. Zwischen 1920 und 1933 fand die Offiziersausbildung an der Heeresschule in Enns statt. Das darauf folgende Jahr sah die Wiedererrichtung der Theresianischen Akademie in Wr. Neustadt. Die erste Ausmusterung in der Zwischenkriegszeit erfolgte im Herbst 1934. Die Lehrgegenstände damals: Gefechtslehre, praktische Infanterieausbildung, Gaskampf, allgemeine Dienst- und Standesvorschriften, Staatsbürgerkunde, Kriegsgeschichte, Pädagogik und wiederum Fremdsprachen.

Am 2. September 1938 wurde der letzte Jahrgang als Oberfähnrich auf den "Führer" vereidigt. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland wurden die Militärakademiker in die Deutsche Wehrmacht übernommen. Während des II. Weltkrieges fand die Burg als Kriegsschule bzw. zeitweise Unteroffiziersschule für die Wehrmacht Verwendung.

1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, erlebte zwar Österreich als Staat seine Wiederauferstehung, zur Wiedererrichtung einer militärischen Infrastruktur fehlte ihm jedoch die volle Souveränität. 1955 wurde mit dieser auch die Militärakademie wieder ins Leben gerufen, abermals im oberösterreichischen Enns, da aufgrund der schweren Bombenschäden aus Jahr 1945 die Burg in Wr. Neustadt erst 1958 wieder für die MilAk zur Verfügung stand. Die ersten Absolventen in der 2. Republik musterten schon 1956 musterten aus. 1998 wurde die Offiziersausbildung als Fachhochschule mit dem Studiengang "Militärische Führung" anerkannt, an dessen Aufbau der seit 1999 amtierende Kommandant Divisionär Karl-Heinz Fitzal wesentlichen Anteil hatte. 2000 verließen die ersten "Magistri (FH) Militärische Führung" die MilAk.

In einer ganz besonderen Hinsicht hielt sich das Bundesheer jedoch nicht an den Spruch, der an der Wiege seiner Offiziersausbildung stand: Heute dreht sich nicht mehr alles nur um "tüchtige Officire und rechtschaffene Männer", denn seit 2000 sind auch Frauen zur Offiziersausbildung zugelassen. Im kommenden Jahr werden die ersten vier weiblichen Leutnants ausgemustert - mit, laut Fitzal, "langsam steigender Tendenz" sogar.

Feierlichkeiten zum 250-Jahr-Jubiläum

Heute und morgen findet die Ausmusterung bzw. Sponsion der frischerkorenen Leutnante in Wiener Neustadt statt. Die Feierlichkeiten werden ganz im Zeichen des 250-jährigen Jubiläums stehen. Neben dem Oberbefehlshaber des Bundesheeres, Bundespräsident Thomas Klestil, und Verteidigungsminister Herbert Scheibner werden auch hochrangige militärische Delegationen aus 12 Ländern der altehrwürdigen Institution ihre Reverenz erweisen.