Paraphiert wurden im Beisein von Kanzler Schüssel, der Regierungsbeauftragten für Zwangsarbeiterfragen, Maria Schaumayer, und US-Vize-Finanzminister und -Unterhändler Stuart Eizenstat das Executive Agreement, also der bilaterale Vertrag zwischen Österreich und den USA, sowie sechs weitere bilaterale Abkommen zwischen Österreich und Tschechien, Polen, Ungarn, Russland, Weißrussland, Polen, Ungarn sowie der Ukraine.

"Noch niemals hat eine Bundesregierung in so kurzer Zeit ein so ambitioniertes Reformprogramm erfüllt, das eine moralische und keine rechtliche Verpflichtung darstellt", sagte Bundeskanzler Schüssel nach dem Ministerrat. Der Regierungsbeauftragten Maria Schaumayer zollte Schüssel Respekt für die Ergebnisse in den Verhandlungen. Die nun besiegelten Entschädigungszahlungen seien eine Geste, könnten aber niemals eine Wiedergutmachung sein. Das betonten Schüssel, Eizenstat und Schaumayer unisono in ihren Ansprachen bei der Unterzeichnung des Abkommens. Die Vertreter der acht Länder seien nach Wien gekommen, "um einen Prozess abzuschließen", der das grausame Schicksal der ehemaligen Sklaven- und Zwangsarbeiter des NS-Regimes auf österreichischem Gebiet beleuchtet habe "und der ihnen endlich eine seit langem verdiente Geste der Anerkennung für ihr Leiden bringen wird", sagte Bundespräsident Klestil in seiner Ansprache in der Hofburg. Die Österreicher würden endlich der historischen Wahrheit ins Auge blicken. Aber kein Geldbetrag könne die Opfer wirklich für ihre Leiden entschädigen. US-Präsident Bill Clinton hat Klestil und Schüssel zum Abschluss der Verträge gratuliert. Die Einrichtung des Versöhnungsfonds sei "eine historische Leistung".

Die Entschädigungszahlungen erhalten die noch rund 150.000 lebenden ehemaligen NS-Zwangsarbeiter aus dem "Versöhnungsfonds". Der Fonds wird mit sechs Mrd. Schilling gefüllt, ausgezahlt wird in drei verschiedenen Kategorien. Die größte Gruppe der noch lebenden Opfer sind zu fast einem Drittel Ukrainer (siehe Grafik). Dotiert werden soll der Topf je zur Hälfte von der Wirtschaft und der öffentlichen Hand. Von den Beiträgen der Wirtschaft fehlt aber noch knapp eine Mrd. Schilling.

Im Anschluss an die feierliche Unterzeichnung der Verträge zur Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter war für Dienstagabend der Start für die intensiven Verhandlungen zum Restitutionskomplex angesetzt. Am Verhandlungstisch sitzen hier neben einer offiziellen amerikanischen und einer österreichischen Delegation Anwälte sowie jüdische Organisationen. Sie alle wollen sich um eine rasche Entschädigungslösung für "Arisierungs"-Opfer bemühen.

Im Vorfeld waren jedoch bereits deutliche Auffassungsunterschiede hinsichtlich der Gesamtentschädigungssumme laut geworden. Während Österreich die bereits zugesicherten 150 Mill. Dollar (179 Mill. Euro/2,46 Mrd. S) als obersten Betrag der öffentlichen Hand sieht und für jede darüber hinaus gehende Summe den privaten Sektor zur Verantwortung ziehen will, sehen Anwälte und jüdische Organisationen diese 150 Mill. Dollar lediglich als Vorauszahlung.