Ursprünglich war eine Verkürzung des Zivildienstes um vier Wochen geplant. Doch in der Vorlage von Innenminister Strasser, die gestern den Ministerrat passierte, war dies nicht vorgesehen. Im Innenministerium wird dieser Schritt vor allem damit begründet, dass auch seitens der Trägerorganisationen Kritik an der geplanten Verkürzung gekommen sei.

Im Ministerratsvortrag zur Zivildienstnovelle betonte Strasser, dass künftig "wesentlich mehr Zivildienstpflichtige zugewiesen werden können, als dies bisher der Fall war". Beitragen sollen dazu die Aufnahme neuer Tätigkeitsfelder für Zivildiener und die Möglichkeit für Trägerorganisationen, Zivildiener gegen Vergütung zugewiesen zu bekommen.

Die Novelle enthält ebenso ein neues Finanzierungsmodell. Leistungen wie Vergütung, Verpflegung, Versicherung und Bekleidung der Zivildiener sollen künftig verstärkt von den Trägerorganisationen erbracht werden. Außerdem müssen etliche Organisationen eine monatliche Vergütung je Zivildiener an den Bund leisten.

Während Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) sich gestern zufrieden zeigte, dass die Verkürzung des Zivildienstes fällt und von einem "Erfolg der Vernunft" sprach, wurde von anderen Seiten Kritik laut. Für SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl ist der Innenminister "bei der Reform des Zivildienstes auf allen Ebenen gescheitert". Theresia Haidlmayr, Zivildienstsprecherin der Grünen, sprach in einer Aussendung von einem "zweiten Kniefall Strassers vor der FPÖ". Auch Zivildiener-Vertreter orten einen "zu großen Einfluss des Koalitionspartners" FPÖ, sehen andererseits aber positive Signale bei der Verpflegungssituation.