Dass ein Budget- und so mancher Reformbeschluss möglich waren, verdankte Bruno Kreisky der Unterstützung der FPÖ · die er sich mit einer Wahlrechtsreform zugunsten kleinerer Parteien gesichert

hatte.

Von der jetzt von der SPÖ angestrebten Minderheitsregierung unterschied sich die Kreiskysche Variante in zwei wesentlichen Punkten: Sie folgte auf 25 Jahre ÖVP-Kanzlerschaft und unmittelbar auf die

ÖVP-Alleinregierung 1966 bis 70 · nach einem überraschenden Wahlsieg. Beendet wurde sie mit einer Wahl, die der SPÖ die absolute Mehrheit brachte.

Auch der Grund, warum die SPÖ keine Koalition mit der FPÖ bildete, ist ein anderer: Damals wollte die FPÖ nicht. Deren Klubobmann Friedrich Peter hatte schon im Wahlkampf die Zusammenarbeit mit den

Sozialisten ausgeschlossen, mit der Devise "kein roter Kanzler, keine schwarze Alleinregierung". Dies aber aufgrund einer Fehleinschätzung angesichts der Meinungsumfragen, die der SPÖ keine

Gewinnchancen eingeräumt hatten.

Nach der Wahl vom 3. Oktober 1999 hat es nun drei realistische Koalitionsvarianten gegeben · jene einer rot-schwarzen Regierung ist einmal gescheitert. Zahlenmäßig gleich stark wäre eine Koalition

von SPÖ und FPÖ. Und schließlich existiert als dritte rechnerische Variante jene von blau-schwarz mit einer doch "satten" parlamentarischen Mehrheit. Eines trifft für alle drei Möglichkeiten zu:

Keine verfügt über eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Hohen Haus.