Der ursprüngliche Entwurf des Reichskirchenministers wurde von Adolf Hitler höchstpersönlich noch verändert. Aus der ursprünglich geplanten "Steuer" wurde ein "Beitrag". "Damit sollte die

katholische Kirche auf das Niveau eines Vereins gedrückt werden", erläuterte der Grazer Kirchenhistoriker Maximilian Liebmann. Das Gesetz verfehlte aber die geplante Wirkung: "Viele haben

demonstrativ ihren Beitrag geleistet. Sie brachten damit zum Ausdruck, daß sie mit dem System nichts zu tun haben wollten." Die Nazis seien über die niedrigen Austrittsziffern "furchtbar enttäuscht"

gewesen, berichtet Liebmann.

1939 haben die Bischöfe noch gegen die Einführung des Kirchenbeitrags schriftlich protestiert. 1945 erhoben sie gegen die Beibehaltung keinen Protest · vor allem aus "praktische Gründen", meint der

Wiener Kirchenrechtler Richard Potz. Man sei mit dem Kirchenbeitrag "politisch nicht unglücklich" gewesen. Immerhin seien damit die Kirchen finanziell vom Staat unabhängig geworden. Vor 1939

finanzierte sich die Kirche aus dem Religionsfonds, der von Joseph II. eingerichtet worden war. In der Inflationszeit der Ersten Republik reichten diese Mittel aber nicht mehr. Deshalb mußte der

Staat für die Priestergehälter zuschießen. "Wie bei der Sozialversicherung heute," zieht Potz einen aktuellen Vergleich.

Das staatliche Kirchenbeitragsgesetz ist ein Rahmengesetz. Die einzelnen Diözesen erlassen die Beitragsordnungen. Rund ein Prozent des steuerpflichtigen Einkommens muß für die Kirche abgeliefert

werden. Die Diözesen bieten ihren Zahlern die Möglichkeit, den Kirchenbeitrag für bestimmte Vorhaben · etwa für die Caritas · zweckzuwidmen. Davon macht allerdings nur ein kleiner Teil Gebrauch: So

widmen beispielsweise von 270.000 Kärntner Zahlern nur 80 Personen die Hälfte ihres Obolus einem bestimmten Zweck.

"Das österreichische System ist nicht so schlecht, wie immer getan wird," ist Potz überzeugt. Es sei ein "qualifiziertes Vereinsbeitragssystem: Jeder Verein kann seinen Beitrag genauso einklagen".