Die meisten Tagesmütter haben eigene Kinder, die sie gemeinsam mit den fremden betreuen.
Die meisten Tagesmütter haben eigene Kinder, die sie gemeinsam mit den fremden betreuen.

Wien. Gratis-Kindergarten in Wien, erst Zweieinhalbjährige in den Kindergärten Niederösterreichs und steuerlich absetzbare Betreuungskosten: Im Bereich der Kinderbetreuung ist in den Vorjahren viel passiert. Nun soll auch die Tagesmütter-Ausbildung einem Relaunch unterzogen werden, wie Familienminister Reinhold Mitterlehner ankündigte. Er will ein Gütesiegel für die Ausbildungslehrgänge von Tageseltern einführen - und dafür auch mehr Geld in die Förderungen fließen lassen, wie er am Montag betonte.

Konkret soll die Förderung für die Ausbildungsstätten pro Kursteilnehmer von 750 auf 1000 Euro aufgestockt werden - im Vorjahr investierte das Familienministerium rund 100.000 Euro. Außerdem will Mitterlehner in der 15a-Vereinbarung zur Kinderbetreuung, die derzeit mit den Ländern verhandelt wird, einen "Förderschwerpunkt für den Ausbau der Betreuungsplätze von Tageseltern" verankern.

Insgesamt gibt es in Österreich laut Statistik Austria rund 3300 aktive Tageseltern, die etwa 13.600 Kinder betreuen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist diese Zahl konstant - auffällig ist, dass der Bedarf an Tagesmüttern bei der Betreuung der Null- bis Zweijährigen am größten ist.

Dennoch wurde in dieser Altersklasse die EU-Zielvorgabe (Barcelona-Ziele) klar verfehlt: Sie sah für 2010 einen Versorgungsgrad mit Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige von mindestens 33 Prozent vor. Tatsächlich werden allerdings nur rund 17 Prozent der Null- bis Zweijährigen betreut. Bei den Drei- bis Fünfjährigen wurde das Ziel hingegen erreicht. Etwa 91 Prozent haben einen Betreuungsplatz - die EU-Zielvorgabe für Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter lag bei mindestens 90 Prozent.

Gütesiegel ist freiwillig


Die Erhöhung der Förderung sowie das Gütesiegel für die Tagesmütter-Ausbildung sollen nun helfen, das Betreuungsangebot auch für die ganz Kleinen zu verbessern. "Weil Kinderbetreuung grundsätzlich in die Zuständigkeit der Bundesländer fällt, können wir allerdings nur Anreize setzen und keine neuen Verpflichtungen schaffen", räumt das Familienministerium ein.

Das neue Curriculum sei daher lediglich ein freiwilliges Angebot zur Umsetzung. Es wurde laut Ministerium von Experten entwickelt und sieht 300 Unterrichtseinheiten vor, wovon 220 den theoretischen Teil umfassen und der Rest den praktischen. Mit dem Curriculum werden die Lernziele, Aufnahmevoraussetzungen und Abschlusskriterien definiert.