Mitunter muss der Arbeitsplatz adaptiert werden, wenn etwa ein Rollstuhlfahrer einen Bürojob annimmt. bb - © www.BilderBox.com
Mitunter muss der Arbeitsplatz adaptiert werden, wenn etwa ein Rollstuhlfahrer einen Bürojob annimmt. bb - © www.BilderBox.com

Wien. Die Leistung und nicht irgendeine Behinderung steht im Vordergrund der Online-Plattform "Career Moves", die im Vorjahr als europaweit erste Jobinitiative speziell für behinderte Menschen gegründet worden ist. Mittlerweile haben mehr als 200 Firmen die vom Bundessozialamt geförderte Plattform genutzt. Von den 549 annoncierten Stellen wurden rund 200 für Menschen mit Einschränkung ausgeschrieben, wie Mitbegründer Gregor Demblin am Dienstag vor Journalisten betonte.

Und es werden laufend mehr. Um dem Zuwachs an annoncierenden Firmen gerecht zu werden und die Plattform benutzerfreundlich zu gestalten, hat "Career Moves" nun ein neues Piktogramm eingeführt: ein rasender Rollstuhlfahrer, der sich aus weißen Linien vor blauem Hintergrund formt und Jobs für Behinderte kennzeichnet.

"In den nächsten Jahren wird es sich die Wirtschaft nicht mehr leisten können, behinderte Menschen links liegen zu lassen", prophezeit Demblin, "weil ein massiver Arbeitskräftemangel auf uns zukommt." 2015 sollen daher auf der Plattform täglich 1000 Jobs annonciert sein - heute sind es 100 pro Tag.

Demblin stützt seine Prognosen auf die Worte Rolf Gleißners von der Wirtschaftskammer Österreich, die zu den Partnern der Plattform zählt. Indem das Potenzial jedes Einzelnen genutzt wird, kann man laut Gleißner dem Arbeitskräftemangel entgegensteuern. So sei mit Beginn dieses Jahres die Kündigungsschutz-Regelung für Menschen mit mindestens 50-prozentiger Behinderung gelockert worden, damit Arbeitnehmer nicht mehr vor der Anstellung Behinderter zurückschrecken. Statt wie bisher nach sechs Monaten Probezeit setzt nun erst nach vier Jahren der erhöhte Kündigungsschutz ein.

Ausgleichstaxe erhöht

Außerdem wurde die Ausgleichstaxe erhöht - rund 300 Euro monatlich, die Firmen zahlen müssen, wenn sie nicht pro 25 Arbeitnehmer einen behinderten anstellen. Die Summe im Ausgleichstaxen-Fonds wird sich laut Gleißner somit von 90 Millionen Euro 2010 auf 120 Millionen Euro erhöhen. Geld, das wiederum Firmen in Form von Lohnkostenförderungen für die Anstellung behinderter Menschen zugutekommt. Bis zu 300 Euro monatlich werden zugeschossen.

Österreichweit sind etwa 60.000 Arbeitnehmer davon betroffen: Personen mit mindestens 50-prozentiger Behinderung (begünstigte Behinderte), die erwerbstätig sind. Am Arbeitsmarkt entspricht das einem Anteil von eineinhalb Prozent. Die Zahl der begünstigten Behinderten wird allerdings auf 90.000 geschätzt - wie die restlichen 30.000 ihr Leben bestreiten, ist fraglich. Insgesamt sind laut einer WHO-Studie 15Prozent der EU-Bevölkerung leicht bis schwer behindert.

"Jeder hat seinen Platz in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt", resümiert Demblin. Behinderte Menschen in einer Firma würden den Teamgeist stärken. "Wer nach den Prinzipien der Inklusion lebt, sieht nicht den Unterschied, sondern die Qualifikation."

www.careermoves.at