Im Büro des zuständigen Landesrates Karl Wilfing will man in der Sache noch keine Entscheidung treffen. „Uns liegt kein Antrag vor, auch läuft kein Verfahren”, sagt Sprecher Florian Liehr. Die Auseinandersetzung sei eine Sache zwischen Stift und Bürgern. Dennoch nehme man die Sorgen der Bürgerinitiative ernst. So habe es laut Liehr bereits mehrere Direktgespräche mit der Bürgerinitiative gegeben.

Streit landete bereits beim Obersten Gericht


Während in Paudorf noch am Verhandlungstisch nach einer Lösung gesucht wird, kommunizieren die Augustiner Chorherren in Klosterneuburg mit einigen Schäfchen der Gemeinde Langenzersdorf nur noch über den Gerichtsweg. Konkret geht es in diesem Streit um vom Stift verpachtete Grundstücke an private Häuslbauer, die sich durch die Mietzins- und Maklerpolitik der Ordensbrüder schikaniert und benachteiligt fühlen.

„Gegen diese Chorherren zieht sogar Gott den Kürzeren”, meint Gerd Teply vom „Pächterverein Langenzersdorf”. Ihn wurmt, dass das Stift nicht bereit ist, Grundstücke, die bereits vor Jahrzehnten von Menschen für den Bau eines Eigenheims gepachtet wurden, nicht zu verkaufen. „Das wurde uns damals zugesichert”, meint Teply, der sich auch darüber ärgert, dass die Chorherren für die Gründe eine viel zu hohe Pacht erhöben. Weswegen bereits mehrere Klagen gegen das Stift anhängig sind: So klagt etwa eine Pächterin ihr Eigentumsrecht am Grundstück ihres Elternhauses ein. In einem zweiten Fall lässt ein Ehepaar in dritter Instanz vom Obersten Gerichtshof prüfen, ob nicht in ihrer Causa - Vertragsverlängerungen - das Mietrechtsgesetz zur Anwendung komme. Sogar der Verein für Konsumentenschutz bereite laut Teply eine Klage gegen das Stift vor.

Den Vorwurf der Pächter, dass Verträge nicht verlängert und Grundstücke zurückgehalten werden, weist Stiftssprecher Peter Schubert zurück. „Bis jetzt sind immer alle Verträge verlängert worden”, wundert er sich. Dagegen sei es das gute Recht des Konvents, seine Grundstücke zu behalten und Pachtzins zu verlangen. „Bei uns ist die Miete mit rund drei Prozent vom Grundstückspreis ohnehin sehr moderat. Wir sind ja keine Kapitalisten.”