Wien. Integration kennt viele Wege. Einige davon wurden auch erkannt und gefördert, gerade in den letzten Jahren, etwa in der Wirtschaft und dem Sport, oder durch Ermutigung zu gesellschaftlichem Engagement und zu Partizipation in der Politik. Doch auch die Kunst kann hilfreich sein, gerade in Österreich, das sich seit Ende der Monarchie vor allem als "Kulturnation" versteht. Der Trost, sich dadurch trotz der eigenen Kleinheit über andere zu erheben, wurde von Literaten wie Robert Musil zwar immer wieder verspottet. Fakt ist: Das Selbstbild hat bis heute Bestand und prägt nach wie vor die Identität und den Alltag dieses Landes.

So wendet sich nun auch der Verein Wirtschaft für Integration (VWI), der in den letzten Jahren schon zahlreiche Integrationsprojekte durchgeführt hat, der Hochkultur zu. Unter dem Schlagwort "Kulturelle Grenzen überwinden" treffen am Samstag in Grafenegg jugendliche Beteiligte bisheriger Integrationsprogramme - etwa die Gewinner des mehrsprachigen Redewettbewerbs "Sag’s multi" - auf Europas vielversprechendste Nachwuchsmusiker. Sie besuchen gemeinsam auf der Open-Air-Bühne Wolkenturm ein Konzert des European Union Youth Orchestra. Festival-Geschäftsführer Paul Gessl hofft dadurch vor allem jungen Menschen "den Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen."

Klassische Kunst sei ein bisher vernachlässigtes Gebiet der Integration, findet VWI-Geschäftsführerin Zwetelina Ortega. "Es wird sehr oft über die Erzeugung von laienhafter Kunst im Zusammenhang mit Integration gesprochen. Das hat auch sehr gute Ergebnisse erbracht. Aber über den Zugang zu echter Hochkultur, um in diese noch tiefer hineinzublicken, wurde bei Integration bisher nur sehr wenig gesprochen."

Für Ortega ist die zentrale Frage: "Wie macht man Kunst für ein junges Publikum schmackhaft?" Gerade angesichts eines wachsenden Migrantenanteils bei der Jugend sei es eine spannende Herausforderung, weg von der sterilen Art der Kunstvermittlung zu kommen. "Man bekommt auch viel vom Elternhaus mit", meint Ortega. "Wenn die Eltern mit einer anderen Kultur aufgewachsen sind, wird es schwieriger, die Kultur den Kindern weiterzugeben." Diesen Zugang gelte es nun Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu vermitteln: "Man genießt etwas viel mehr, wenn man es versteht."

Nicht alle haben die Möglichkeit, Zugang zu klassischer Kunst zu finden. Man müsse solche Kunstwerke überhaupt erst kennenlernen. Das Ereignis in Grafenegg sei ein Beitrag, um den Jugendlichen "Lust und Laune auf Kunst und Kultur zu machen." Positiv hebt Zwetelina Ortega auch hervor, dass beim European Union Youth Orchestra lauter Nachwuchsmusiker aus ganz Europa dabei sind. "Das ist ebenfalls von Vorteil für die Jugendlichen."