Wien. Neben den Maturaprüfungen hatte sie die Infusionen ihres Vaters gewechselt. Sie musste "die Starke" in der Familie sein. Als Zehnjähriger erzählte er niemanden in der Schule, dass sein Vater ein Pflegefall geworden war. Er machte komplett zu.

Filmemacher Herbert Link gibt in seiner Dokumentation "Mehr als ich kann – ein Film über den Pflegealltag im Verborgenen" erstmals auch Jugendlichen eine Stimme. Sie erzählen neben weiteren pflegenden Angehörigen, mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten. "Es ist hilfreich, wenn einem jemand zuhört", "man wünscht sich Hilfe von außen", sagen sie.

Dass heute in der Öffentlichkeit über Pflege gesprochen wird, hat für Link mit den Herausforderungen der modernen Zeit zu tun: "Die Frau geht heute von der Kinderbetreuung direkt in die Elternbetreuung über." Die höhere Lebenserwartung und die Doppelbelastung stellen den Einzelnen vor immer größer werdende Herausforderungen.

24 Stunden, jeden Tag
Gemeinsam mit Monika Wild, Leiterin der Sozialdienste des Roten Kreuzes, Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der Interessengemeinschaft für pflegende Angehörige und der Journalistin Bärbel Mende-Danneberg ist der Film entstanden. Von der Alleinerzieherin, die ihren Schwiegervater rund um die Uhr pflegt, bis zur Berufstätigen mit 24-Stunden-Hilfe: "Es erwischt uns alle irgendwann.

Der Film wird am 17. Oktober im Votivkino, am 16. November auf BR alpha und in Schulen gezeigt.