"Wiener Zeitung": (zaw) Die neue Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft nimmt ihren Betrieb auf - allerdings fehlt es noch an Personal. Bedeutet das einen nur eingeschränkten Betrieb?

Walter Geyer: Überhaupt nicht. Wir sind die Fortsetzung der Korruptionsstaatsanwaltschaft und bearbeiten alle ihre bisherigen Fälle weiter. Mit Arbeit sind wir durchaus eingedeckt.

Was ist denn neu an der neuen Behörde - außer dem Namen?

Was neu dazu kommt, sind Wirtschaftsstrafsachen mit einem Schaden von über fünf Millionen Euro, die ab 1. September neu angezeigt werden.

Da wäre eigentlich die Telekom-Affäre prädestiniert dafür.

Ja, aber sie wurde zu früh angezeigt.

Ist das nicht irgendwie unlogisch?

Schon, aber im Gesetz ist klar definiert, für welche Fälle wir zuständig sind. Daran sind wir gebunden. Wir können den Fall nicht einfach an uns ziehen.

Zurzeit sind 15 statt geplanter 21 Staatsanwälte vorhanden. Im Endausbau sollen es 40 sein. Wann wird es so weit sein?

Wir rechnen damit, dass auch nächstes Jahr die 40 nicht erreicht werden, aber doch eine deutliche Aufstockung erfolgen wird. Einerseits weil aus dem normalen Turnus Richteramtsanwärter zu Staatsanwälten werden, andererseits weil wir aus dem Topf der Anwälte versuchen werden, Kollegen zu uns zu bringen.

Die Ausbildung von Staatsanwälten dauert vier Jahre. Wurde die neue Behörde vielleicht zu kurzfristig ins Leben gerufen?

Es war richtig, die neue Behörde sofort einzurichten, weil es nicht besser geworden wäre, wenn das nicht geschehen wäre, und weil ein Zuwarten um vier Jahre auch für Unverständnis in der Bevölkerung gesorgt hätte. Außerdem ist nicht gesagt, dass nach vier Jahren die Situation anders oder besser ist. Irgendwann muss man einfach beginnen - und auch mit den Schwierigkeiten fertig werden.