Wien. Die Gewerkschaft macht im Vorfeld der Kollektivvertragsverhandlungen Druck zur Anhebung von Fraueneinkommen. Der "Gender Gap", der in Österreich im internationalen Vergleich besonders hoch sei, müsse endlich geschlossen werden. Ein mögliches Mittel zur Verringerung der Gehaltsdifferenzen zwischen Frauen und Männern wären Sonder-KV-Runden für Frauen, in denen die Sozialpartner die Ursachen für die Lohndifferenzen analysieren und gezielte Gegenmaßnahmen setzen, erklärte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), Wolfgang Katzian.

"Die Zeit der Appelle ist vorbei", sagte der Gewerkschaftsboss. Nun gelte es die Schere bei den Einkommen von Männern und Frauen zu schließen. Neben den normalen KV-Runden könnten Sonder-KV-Runden für Frauen vereinbart werden, wo etwa dreimal in zehn Jahren Lohnerhöhungen, Einstufungen und Berufsverläufe von Frauen analysiert und Maßnahmen zur Anhebung der Fraueneinkommen getroffen werden. Der Gesetzgeber und die Sozialpartner hätten sich mehrfach zur Beseitigung des Gender Gap bekannt, nun sollten klare Zielvorgaben gesetzt und erfüllt werden. Als Beispiel nennt der Chefverhandler der GPA-djp Karl Proyer Finnland, wo eine Vorgabe des Gesetzgebers, die Lohndifferenzen zwischen Frauen und Männern zu beseitigen, von den Sozialpartnern derart umgesetzt wurde.

Frauen verdienen deutlich weniger
Frauen verdienen in Österreich nach wie vor deutlich weniger als Männer. Beim Vergleich der Bruttojahreseinkommen zeigt sich, dass unselbstständig erwerbstätige Frauen im Jahr 2009 mit durchschnittlich 17.639 Euro um rund 40 Prozent weniger verdienten als Männer mit im Schnitt 29.181 Euro brutto. Eine wesentliche Veränderung im Zeitvergleich zeigt sich nicht: Die Schere bei den Bruttojahreseinkommen belief sich nämlich auch schon zehn Jahre davor, 1999, auf rund 40 Prozent. Wenn in der Berechnung unterschiedliche Beschäftigungsausmaße berücksichtigt werden und der Vergleich auf ganzjährig Vollzeitbeschäftigte beschränkt wird, liegen die Bruttojahreseinkommen von Frauen (29.513 Euro) um rund 19 Prozent unter jenen der Männer (36.597 Euro). Im Europavergleich liegt Österreich diesbezüglich weit hinten.

Einen weiteren Schwerpunkt will die Gewerkschaft auf den Bankbereich legen. Hier gebe es zunehmend Beschwerden von Mitarbeitern aus der Branche, wonach sie Zielvorgaben für den Verkauf von Bankprodukten an ihre Kunden bekämen - egal ob diese Produkte für den jeweiligen Kunden passend seien oder nicht. An der Erfüllung dieser Vorgaben würden die Mitarbeiter dann gemessen. Die GPA-djp wolle nun Befragungen dazu durchführen, kündigte Katzian an.

Auch um die Beschäftigten von Glücksspielunternehmen will sich die Arbeitnehmerorganisation kümmern: In Kürze wolle man Ergebnisse von Befragungen zu den Arbeitsbedingungen in der Branche präsentieren. Bei der Diskussion über die Neuordnung am Glücksspielmarkt bzw. bei den Lizenzvergaben sollten auch die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen eine Rolle spielen.