Ein Vorteil der Ottakringer Straße war bereits, dass man sie kennt, meint Krasny. Das Image habe sich aber erst in den letzten Jahren verändert. "Als wir 2008 anfingen, war die Berichterstattung in den Medien überwiegend negativ und sehr einseitig," sagt Antonia Dika, Gebietsbetreuerin von Ottakring. "Mit Reisebüro Ottakringer Straße, wo wir etwa nächtliche Balkanclubtouren angeboten haben, ist es uns gelungen, die Menschen neugierig zu machen."

Beim Umbau des Reisebüros vor zwei Jahren fragte der MA 48 Mitarbeiter noch, ob er sich eine kugelsichere Weste anziehen soll. Selbst viele Bewohner der Ottakringer Straße trauten sich nicht mehr, selber eine Entdeckungsreise zu machen. Die verdunkelten Auslagen der Cafes schreckten die Nachbarn noch ab. Krasny: "Man glaubt den Zeitungen mehr als den eigenen Erfahrungen. Man lebt in einer transformierten Stadt. Das sollte man begreifen. Die Gegenwart der Stadt ist so wie hier."

Balkanmeile als Blaupause?

Diese Gegenwart wünschen sich auch andere Gegenden wie Monte Laa in Favoriten, wo eine funktionelle Durchmischung mit Begegnungen fehlt. Kurt Smetana, Gebietsbetreuung Ottakring: "In Ottakring und Hernals stehen den Bewohnern im Durchschnitt 0,45 Quadratmeter Freiraum zur Verfügung, in Monte Laa sind es 4,5. Ohne kleinere Wirtschaft kann keine Durchmischung stattfinden. In Ottakring findet man eine kleinteilige Struktur mit einer lokalen Ökonomie. Es herrschen hier völlig andere Rahmenbedingungen als in Monte Laa."

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, wie Werner Binnenstein-Bachstein, Initiator interkultureller Einrichtungen wie der Brunnenpassage am Yppenplatz und Geschäftsführer der Caritas: "Wenn wir von Begegnung hier in dem Stadtteil reden, dann findet sie zwischen Menschen statt, die keine sozialen Probleme haben. Die Wahlfreiheit, in welchem Stadtteil man wohnt, bleibt Eliten vorbehalten." Binnenstein-Bachstein sieht auch die Gefahr einer Gentrifizierung Ottakrings, wo fehlende Wohn-Wahlmöglichkeit einkommensschwächerer Personen Wirklichkeit werden könnte.

Elke Krasny wehrt sich gegen den Vorwurf der Gentrifizierung: "Man muss Dinge differenziert betrachten. Eine Stadt hat prinzipiell immer mit ökonomischer Veränderung zu tun." Einen Begriffstransfer des aus dem anglophonen Raum stammenden Wortes lehnt sie allerdings ab: "Es ist problematisch ein Paradigma über ein Viertel zu stülpen."