Wien. Den gläsernen Abgeordneten wollte man schaffen. Über eine Transparenzdatenbank im Internet. Um dort Herrn und Frau Österreicher über die geschäftlichen und beruflichen Engagements der Mitglieder des Parlaments sowie der Bundesregierung aufzuklären. Welche Nebeneinkünfte beziehen die Mandatare? Wer lobbyiert für wen? Und wer sitzt für welches Unternehmen im Aufsichtsrat?

Heute, ein Jahr nach der Gründung der überparteilichen Initiative Respekt.net, die dieses Projekt ins Leben gerufen hat, ist die Adresse www.meineabgeordneten.at bereits im Aufbau begriffen - und soll umgehend für jedermann abrufbar sein, wie Vorstandsmitglied Maria Baumgartner am Montag in Wien sagte. Finanziert wird der Online-Auftritt von Privatpersonen, aber auch Vereinen und Firmen, die mit den Initiatoren zusammenarbeiten. "Die nötige Summe in der Höhe von 22.000 Euro wurde von 202 freiwilligen Investoren und Spendern aufgebracht", lobte die Initiatorin. Die Ursache für die Spendenbereitschaft ist für Baumgartner klar: "Die Menschen haben genug von der Korruption. Da werden noch weitere Ideen folgen."

Insgesamt wurden bisher 175 Projekte, die sich unter anderem mit gesellschaftlichen Werten wie Respekt, Zivilcourage, Gleichberechtigung, Bildung oder Demokratie beschäftigen, eingereicht, wobei 34 in den vergangenen Monaten bereits erfolgreich abgeschlossen wurden. 52 weitere Projektideen wie computergestütztes Deutschlernen für Asylwerber oder Lernhilfen für Volksschulkinder mit Migrationshintergrund werden derzeit umgesetzt oder befinden sich in der Finanzierungsphase. Seit 2010 wurde von den Mitgliedern eine halbe Million Euro an Hilfen aufgebracht.

Freiwillige gesucht

Um weitere Investoren und Mitglieder zu gewinnen, hat Respekt.net nun angekündigt, um Freiwillige zu werben, die ihre Zeit oder Expertise für ein bestimmtes Projekt zur Verfügung stellen. "Wir nennen das soziales Engagement per Mausklick", erklärte Baumgartner. Demnach können sich Chauffeure und Bankmanager via www.respekt.net genauso in den Dienst der guten Sache stellen wie EDV-Experten oder Lehrer.