Berlin. In einer länderübergreifenden Studie haben Wissenschaftler eine klischeehaft negative Darstellung des Islam in europäischen, darunter auch österreichischen, Schulbüchern beklagt. Muslime erschienen in den Lehrbüchern pauschal als religiös und "vormodern", heißt es in der Studie des Braunschweiger Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung. In den Büchern werde ein Gegensatz konstruiert zwischen einem modernen Europa und einer muslimischen Welt, die in "kulturellem Stillstand" verharre, kritisierten die Autoren. Dadurch trügen die Lehrmaterialien dazu bei, die Gräben zu vertiefen.

Tendenzen

Für die Studie wurden 150 Lehrbücher aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Spanien und England gesichtet und 27 tiefer analysiert. Das sei zwar nicht repräsentativ, räumten die Forscher ein, zeige aber Tendenzen auf, die sich in Lehrbüchern aller EU-Länder glichen. Mitautorin Susanne Kröhnert-Othman schlug insbesondere eine Neubarbeitung der Kapitel zur Migration vor: "Hier sollte vermieden werden, Muslime als Sondergruppe außereuropäischer Zuwanderer zu präsentieren, deren mitgebrachte Traditionen per se eine Integration in europäische Einwanderungsgesellschaften verhindern."

Die in den Schulbüchern enthaltenen "vereinfachenden Darstellungen des Islam" stünden einem "glaubwürdigen interkulturellen Dialog mit der muslimisch geprägten Welt im Weg", sagte Außen-Staatsministerin Cornelia Pieper (FDP) bei der Vorstellung in Berlin. Institutsdirektorin Simone Lässig beklagte "eingefahrene Wahrnehmungsweisen", die "durch Schulbücher oft über Generationen hinweg unreflektiert weitergetragen" würden. Die Bücher seien nicht geeignet, populistische antiislamische Argumente zu entkräften.