Wien. (zaw) Angesichts der allgemeinen Schlammschlacht um Korruptionsvorwürfe und Amtsmissbrauch wird der Ton zwischen den Koalitionspartnern immer rauer. Nachdem ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf im Nationalrat gegen Bundeskanzler Werner Faymann vom Leder gezogen hatte ("Am schlimmsten ist es, dass dieser Skandal die oberste Spitze unserer Bundesregierung erreicht hat"), legte Salzburgs ÖVP-Landeschef Wilfried Haslauer am Mittwochabend nach.

"Das negative Gesicht, das destruktive Element in der Bundesregierung hat einen Namen, und der heißt Werner Faymann", polterte Haslauer beim traditionellen Rupertitreffen der Salzburger Volkspartei. Der Kanzler kaufe sich mit Steuergeld eine angenehme Berichterstattung und lasse sich Themen vom Boulevard vorgeben.

Empört reagierte SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas auf die Angriffe Haslauers. Dessen Aussagen seien "unwürdig und inakzeptabel. Von einem Politiker in seiner Position kann man sich erwarten, dass er sich auch von der bierseligen Stimmung in einem Brauereikeller nicht zu derartigen Äußerungen hinreißen lässt", so Rudas und forderte eine Entschuldigung von Haslauer.

Im Bundeskanzleramt reagierte man betont gelassen auf die Attacken aus Salzburg. "Für Bundeskanzler Faymann ist der Ansprechpartner in der ÖVP Vizekanzler Michael Spindelegger", hieß es. Allerdings mehren sich Berichte, wonach es auch zwischen Kanzler und Vize nicht zum Besten steht. So soll es zwischen den beiden - je nach Bericht - vor oder während des gemeinsamen Fluges nach New York zu heftigen Streitereien gekommen sein - gegenseitige Neuwahlandrohungen inklusive.

Zwar wird ein Zerwürfnis heftig dementiert, die Zahl derer, die mit vorzeitigen Neuwahlen rechnet, nimmt allerdings ständig zu.

Der Streit, der sich an der Affäre um ÖBB-Inserate entzündete, dürfte auch angesichts neuer Medieneinschaltungen kaum abklingen. In zwei Boulevardzeitungen schaltete das Kanzleramt am Donnerstag ein Inserat - "Regierung Faymann stoppt die Zwei-Klassen-Medizin" - samt Foto des Kanzlers.

Vor allem die FPÖ reagierte empört. Die SPÖ habe aus der Affäre "nicht das Geringste gelernt", raunzte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. Das neue Inserat sei "der Gipfel der Unverschämtheit". Die Grünen sehen darin ein "Musterbeispiel für den Missbrauch von Steuergeldern", ein "Jubelinserat ohne Informationsgehalt". "Diese Dreistigkeit ist für einen Bundeskanzler unfassbar", sagte der Grüne Dieter Brosz. Anstatt die Kritik ernst zu nehmen, provoziere der Kanzler bewusst.

Im Bundeskanzleramt verteidigt man die Inserate mit dem Hinweis auf das Bundesministeriengesetz, wonach es die Pflicht der Regierung sei, über ihre Arbeit zu informieren. Der Kanzler selbst erklärte in New York, er sei überzeugt, dass ganz andere Themen als die Inserate im Vordergrund stehen. Alles andere sei "Unsinn" der "aufgebauscht" werde.

BZÖ-Obmann Josef Bucher schlägt angesichts der Debatte um die Regierungsinserate vor, solche künftig nur noch ohne Politikerbilder zu erlauben. Außerdem sollen sämtliche Inserate genau aufgelistet werden. Im Entwurf zum Medientransparenzgesetz ist allerdings nur eine halbjährliche Gesamtmeldung an die Medienbehörde KommAustria vorgesehen.