Kenneth Ekström forscht an der Uni Umeå in Schweden.
Kenneth Ekström forscht an der Uni Umeå in Schweden.

Umeå. (fib) In Schweden werden seit 1977 alle Lehrer auf universitärem Level ausgebildet - auch Kindergartenpädagogen.

Kenneth Ekström, Bildungswissenschafter an der Uni Umeå im Norden des Landes, arbeitete über 20 Jahre lang als Kindergartenpädagoge.

Warum er den für Männer unüblichen Beruf ergriffen hat und inwiefern die Uni Umeå den Ruf einer exzellenten Lehrerausbildung verloren hat, erklärt er im Interview.

"Wiener Zeitung": Auch in Schweden sind männliche Kindergartenpädagogen sehr selten. Was hat Sie an diesem Beruf interessiert?

Kenneth Ekström: Es ist ein angenehmer Job, interessant und anspruchsvoll. Vorher arbeitete ich in Fabriken. Ich studierte kurz nach der 68er Revolution, Umeå war eine radikale Uni. Dass ich Lehrer werden wollte, war auch politisch motiviert. Wir wollten die Gesellschaft und die Bedingungen für Kinder ändern. Ich bin jeden Tag glücklich zur Arbeit gegangen.

Inwiefern hat sich seither die Lehrerausbildung in Umeå verschlechtert?

Wir nennen das Fach "Bildungsarbeit" und es ist jetzt kein eigener Fachbereich mehr, sondern gehört allen und niemandem. Es ist nun an die traditionellen Institute angedockt und wurde dadurch geschwächt. Davor hatten wir eine eigene Forschungsabteilung innerhalb des Instituts für Lehrerausbildung. Dort wurde geforscht, dort wurden Lehrer ausgebildet. Um dort ein Doktoratsstudium anzutreten, musste man ausgebildeter Lehrer mit Berufserfahrung sein. Das war einzigartig in ganz Europa.

In Schweden kommen die Kinder oft schon mit einem oder zwei Jahren in den Kindergarten. Wird nicht befürchtet, dass das den Kindern schadet?

Es gab diese Debatte einmal - aber sie endete 1988. Damals waren die Zeitungen voller Leserbriefe, wie schrecklich es sei, dass Eltern ihre Kinder bei Schnee und Kälte in den Kindergarten schleppen und diese zu Hause nur noch erschöpft einschlafen würden. Doch dann zeigte eine Studie: Kinder, die früh in den Kindergarten kommen, kommen in der Schule besser zurecht. Sie sind gewohnt, in Gruppen zu sein, und daher sozial reifer, ihre Sprache ist entwickelter. Heute sind alle Parteien - bis auf die Christdemokraten - dafür, dass Kinder so früh wie möglich in den Kindergarten gehen.

Als die Lehrerausbildung in Schweden in den 70er Jahren vereinheitlicht wurde, gab es da Probleme?

Nein. Viele Kurse waren für Kindergartenpädagogen und Lehrer. Ich sehe eher jetzt eine Gefahr für das Hilfspersonal in Kindergärten, weil sie nicht dieselben Bildungsstandards haben. Auch sie sollten auf den Unis ausgebildet werden.

Was ist das Wichtigste, das angehenden Kindergartenpädagogen an den Unis beigebracht wird?

Sie sollen nicht die Kinder, sondern sich selbst und den Lehrplan bewerten. Wichtig ist die Kommunikation mit den Kindern. Kinder konstruieren ihre eigene Realität. Beim Spielen testen sie ihre Identitäten und wie die Welt und die Zeit geformt sind. Die Lehrer sollten ihnen Fragen stellen und ihre Entwicklung dokumentieren - das ist auch für die Eltern wichtig. Es ist üblich, dass im Empfangsbereich ein Computer steht, an dem sich die Eltern Fotos ansehen können.