Wien. Die Anzahl der Pflegegeldbezieher ist 2011 im Vergleich zu den Vorjahren in Österreich wieder kräftig gestiegen.

Waren im August 2010 noch 363.453 Personen auf Bundespflegegeld angewiesen, so stieg ihr Anteil heuer um 0,85 Prozent auf derzeit 366.536 Bezieher. Das geht aus den aktuellen Daten des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger hervor. Zählt man die Landespflegegeldbezieher hinzu, kommt die Gesamtzahl der Anspruchsberechtigten aktuell auf 440.000 Personen. Die Tendenz ist seit der Einführung 1993 stark steigend. Vor 18 Jahren lag die Zahl der Pflegegeldbezieher noch bei 230.344.

Das Sozialministerium ist angesichts der Zahlen alarmiert. Um die Finanzierung des Pflegesektors ab 2015 - bis dahin läuft die aktuelle Regelung aus - zu garantieren, hat Sozialminister Rudolf Hundstorfer eine Pflegestrukturreform bis Ende 2012 angekündigt. Die Verhandlungen dazu sind am Freitag gestartet und werden im Oktober fortgesetzt.

Geht es nach dem Minister, müsse bis 2012 geklärt sein, wie die Qualitäts- und Ausbildungsstandards verbessert sowie die Finanzierung sichergestellt werden können. "Aber über Geld reden wir erst zum Schluss", sagte der Ressortchef.

Keine Versicherung


Zentrales Anliegen Hundstorfers ist es, in einem ersten Schritt "die unterschiedlichen Standards im Pflegewesen in den Bundesländern zusammenzuführen". Den Vorschlag einer Pflegeversicherung lehnt er ab, da diese Lösung einen Anstieg der Lohnnebenkosten zur Folge hätte. "Wir sind uns mit den Verhandlungspartnern einig, dass das Pflegesystem weiterhin steuerfinanziert sein soll", betonte der Minister am Freitag.

Anspruch auf Pflegegeld haben Personen, die eine Pension der Sozialversicherungen, eine Beamtenpension oder Sozialhilfe beziehen. Die Anspruchsberechtigten werden - je nach Bedarf und Aufwand - in Pflegestufen eingeteilt. Von den zuletzt 366.536 Beziehern entfielen 79.265 auf Stufe 1, 61.178 auf Stufe 2 sowie 118.495 bzw. 52.863 auf die Stufen 3 und 4. Niedriger ist die Zahl der Pflegegeldbezieher in den Stufen 5 bis 7 (insgesamt rund 55.000 Betroffene), wo der Pflegebedarf bei mindestens 180Stunden liegt.