Innsbruck/Wien. Nach dem Diebstahl von mehr als 600.000 Datensätzen von Versicherten, dessen sich die österreichische Sektion der Hackergruppe Anonymous rühmte, sucht man bei der von dem Datenklau betroffenen Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) nach dem Weg, auf dem die Informationen an die Falschen gerieten. "Das Datensystem der Kasse wurde nicht gehackt und es ist nicht am Transferweg passiert", sagte TGKK-Direktor Arno Melitopulos am Donnerstag der APA. Mit großer Wahrscheinlichkeit sei im Zuge der Verrechnung oder Abrechnung von Patienten auf das Datenpaket zugegriffen worden.

Im Laufe des Tages werde man mit den rund 50 infrage kommenden Vertragspartnern Gespräche führen. Darunter seien keine Ärzte und Krankenanstalten, versicherte Melitopulos. Die Datensätze gebe die Krankenkasse monatlich an Vertragspartner wie zum Beispiel Ärzte, das Rote Kreuz oder Krankentransportunternehmen weiter, hatte Obmann Michael Huber erläutert. Die Tiroler Gebietskrankenkasse hatte "Anzeige gegen unbekannt" erstattet.

Seitens der Polizei haben das Tiroler Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) sowie das entsprechende Bundesamt die Ermittlungen übernommen. Details dazu wurden vom Innenministerium nicht bekanntgegeben. Sprecherin Sonja Jell beschränkte sich auf die Auskunft, dass die Ermittlungen "auf Hochtouren" liefen, und zwar wegen des Verdachts des widerrechtlichen Zugriffs auf Computersysteme und unerlaubter Datenübergabe.

Nach der Erklärung von AnonAustria, in den Besitz der Daten Versicherten gekommen zu sein, hat sich der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Artur Wechselberger, auch Präsident der Tiroler Ärzte-Standesvertretung bei der Datensicherheit, sowohl im Hinblick auf die E-Medikation als auch auf das gesamte Projekt elektronische Gesundheitsakte (ELGA) misstrauisch gezeigt. "Das bestätigt Bedenken bezüglich der Datensicherung im Gesundheitsbereich", erklärte er am Donnerstag.

"Der Schutz der Daten muss absolute Priorität haben", forderte Wechselberger bezüglich dem vonseiten der Ärztekammer stets heftig kritisierten Projekt E-Medikation, das ein Teil von ELGA ist. Seit nunmehr fünf Jahren diskutiere man über die elektronischen Gesundheitsakte und bisher seien die Informationen "höchst unbefriedigend und unzureichend". Bis jetzt habe man lediglich die technische Umsetzbarkeit im Auge gehabt, kritisierte der Ärztekammer-Vizepräsident.

Das Patientenrecht, die Patientenrechtwahrung, Fragen über die Rollenverteilung, wer beispielsweise Zugriff auf die Daten habe und wie der Patient geschützt werden könne, seien bisher zu wenig berücksichtigt worden. Auf das Grundprinzip des Datenschutzes mit der Abwägung zwischen Nutzen und Gefahr müsse mehr Sorgfalt gelegt werden.

Beruhigende Worte fand am Donnerstag Josef  Mikus, Geschäftsführer von "Peering Point - connecting e-health". Über die GmbH läuft die Kommunikation der Sozialversicherungs-E-Card. Er bezweifelte zunächst auch die Angaben von Anonymous, wonach man auch Daten Prominenter besitze: "Künstler wie Hansi Hinterseer sind normalerweise über die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA, Anm.) versichert." Die Versicherten der Gebietskrankenkassen sind in der Regel Angestellte.

Ungemach droht Polizisten, deren E-Mail-Verkehr AnonAustria nach eigenen Angaben zugespielt bekam und bei dem es anscheinend um Erotik-Websites ging. Da das Versenden privater Mails während der Dienstzeit untersagt ist, würde das eine Verletzung interner Vorschriften darstellen.