Wien.

- © M. Schmitt
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Ein Drittel der Einwohner Wiens hat Migrationshintergrund. Im 15. Bezirk liegt der Anteil gar bei 47,6 Prozent. Die wenigsten Ausländer gibt es im Burgenland mit weniger als zehn Prozent. Mit diesen wenig überraschenden Fakten wartet die Studie "Migration und Integration in den Bundesländern" des Integrationsfonds (ÖIF) auf. Spannend wird die Studie allerdings in der detaillierten Betrachtung.

So sind zum Beispiel die Türken nur in Vorarlberg und Niederösterreich die größte Migrantengruppe. In fünf Bundesländern hingegen kommen die meisten Zuwanderer aus Deutschland. In Wien dominieren wiederum Serben, Montenegriner und Kosovaren, während im Burgenland die Ungarn die stärkste Gruppe unter den Zuwanderern bilden.

Im Burgenland und in Tirol machen EU-Bürger übrigens fast zwei Drittel der Migranten aus. In Tirol sind es vor allem Deutsche, aber auch Italiener (vor allem aus Südtirol) und auch 2000 Holländer haben sich im "Heiligen Land" niedergelassen. In allen anderen Ländern machen EU-Bürger rund die Hälfte der Zuwanderer aus.

Eine wesentliche Erkenntnis der Studie ist, dass sich Personen mit Migrationshintergrund in Österreich in den Bereichen Arbeit und Bildung nach wie vor schwer tun. So liegt die Arbeitslosenrate bei Zuwanderern österreichweit über jener der Inländer. Einzige Ausnahme ist das Burgenland. Auch was das erwirtschaftete Einkommen angeht, klafft eine deutliche Schere zwischen In- und Ausländern. Am größten sind die Einkommensunterschiede in Wien, wo Migranten nur 76 Prozent des Einkommens von Österreichern erzielen. Am kleinsten ist diese Lohnlücke in Vorarlberg (89 Prozent).

Migrantenkinder in der
AHS unterrepräsentiert


Auch im Bildungsbereich hinken Kinder mit Migrationshintergrund ihren österreichischen Mitschülern hinterher. Vor allem der Zugang zu höherer Bildung bleibt ihnen oft verwehrt. In Niederösterreich etwa haben insgesamt elf Prozent der Schüler nicht Deutsch als Muttersprache (in Wien 42). In der AHS sind es aber nur sechs Prozent (in Wien 29). Während Kinder mit Migrationshintergrund in den Gymnasien unterrepräsentiert sind, sind sie vor allem in Sonderschulen überdurchschnittlich vertreten.

Für die grüne Nationalratsabgeordnete Alev Korun zeigen diese Zahlen: "Aufstieg durch Bildung muss forciert werden." Um zu verhindern, dass Kinder in Sonderschulen abgeschoben werden, brauche es mehr Fördermaßnahmen und ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr.

Für ÖIF-Geschäftsführer Alexander Janda zeigt die Studie, dass sich "die Lebensrealität für Migranten in unterschiedlichen Regionen oft stark unterscheidt". Integrationsmaßnahmen müssten sich daher an den spezifischen regionalen Bedürfnissen der Migranten orientieren.

Ohne Zuwanderer kein Bevölkerungswachstum


Die Studie macht darüber hinaus noch etwas deutlich: Nur dank Zuwanderung aus dem Ausland wächst die österreichische Bevölkerung. In Summe leben 1,45 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich, ein Drittel davon in Wien. Es folgt Oberösterreich (192.500), Niederösterreich (183.800), die Steiermark (129.700), Salzburg (96.900), Vorarlberg (73.699), Kärnten (60.500) und das Burgenland (26.900).