Wien. (best) Auf einen Motivationsschub bei jugendlichen Migranten hofft nun Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz. Die von ihm schon lange angekündigte und jetzt am Donnerstag präsentierte Aktion "Zusammen Österreich" soll künftig rund 100 erfolgreiche Migranten aus den verschiedensten Berufssparten als "Integrationsbotschafter" in Schulen quer durch Österreich schicken. Sie sollen zu "Role Models" für jugendlichen Migranten werden - wohl ganz im Sinne von Sebastian Kurz’ Motto "Integration durch Leistung".

In Hauptschulen, Neuen Mittelschulen und Gymnasien sollen laut Kurz Jugendliche mit Migrationshintergrund erreicht werden, die "vielleicht noch nicht ganz angekommen sind; die zwar hier leben, sich hier aber nicht zu Hause fühlen." Man wolle ihnen zeigen, "dass Österreich ein Land der Chancen für jeden ist, der bereit ist sich hier einzubringen."

Ob Österreich das auch wirklich ist, bezweifeln manche. Ressentiments der Mehrheitsgesellschaft erschweren etwa die Jobsuche, beklagen einige gut ausgebildete Migranten. Moderatorin Amira Awad, eine der "Botschafter", bedauerte, dass das Image der Migranten in Österreich nach wie vor schlecht sei. Doch gerade deshalb sei die Kampagne wichtig. Ebenso hofft auch Kurz, dass die Initiative auch hier fruchten wird. Die Sichtbarkeit erfolgreicher Migranten soll Vorurteile und Angst vor Fremden abbauen, und gegen Rassismus und Hass ankämpfen.

Einige bekannte Promis sind unter den neuen "Botschaftern", Ex-Fußballstar Ivica Vastic etwa, der Unternehmer Ali Rahimi oder TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer. Auch die Moderatorin Eser Ari-Akbaba ist dabei. Das Land brauche mehr "Role Models", unterstrich sie bei der Präsentation. Schauspieler Mike Galeli findet, es sei "höchste Zeit" für ein solches Projekt. Er sei froh, wenn er einen kleinen Beitrag leisten könne. Auch die Tischtennis-Spielerin Liu Jia will etwas weitergeben.

Menschen "von nebenan"

Doch auch Menschen "von nebenan" sind dabei. Sie werden sogar die Mehrheit stellen, betonte Kurz. Polizisten, Piloten, Mechaniker, aber auch Ehrenamtliche bei Feuerwehr gehören unter anderem zu ihnen. Alle 100 "Botschafter" hätten "in irgendeiner Form" etwas geleistet, meinte der Integrationsstaatssekretär.

Der katholische Pastoralassistent und Krankenhausseelsorger Henry Ntiamoah aus Ghana begleitet etwa kranke Menschen und versucht, ihnen gerade in den schlimmsten Situationen Hoffnung und Vertrauen zu geben. Einzelne "Integrationsbotschafter" konnten auch von ihrer Herkunft profitieren. Der Elektrotechnikspezialist und Sozialökonom Marko Stijakovic kommt in seinem Beruf als Vertriebsleiter viel herum und lernt dabei immer wieder neue Kulturen und Menschen kennen. "Mein Migrationshintergrund war eine wichtige Säule für mein berufliches Vorankommen", erzählt er.

Doch der Weg nach oben geht oft Umwege. Anabela Delic ist Senior Operations Manager bei McDonalds. "Ich bin dauernd in den Restaurants unterwegs", erzählt sie. Kein Tag sei wie der andere. Sie kam ursprünglich als Flüchtling aus Bosnien nach Wien, wo sie zunächst studieren wollte. Doch dann wollte man ihr das Visum nicht verlängern, weshalb sie mit dem Studium aufhörte und zu arbeiten begann.

Viele, die nicht im "Scheinwerferlicht" stehen, seien Leistungsträger der Gesellschaft, sagte dazu Werner Binnenstein-Bachstein von der Caritas. Ohne Menschen mit Migrationshintergrund würde etwa die Pflege in Österreich "einfach nicht funktionieren", betonte der Caritas-Vertreter. Organisationen wie die Caritas, die ehrenamtliches Engagement bündeln, sind bei "Zusammen Österreich" ebenfalls eingebunden. Abgesehen von der Caritas gehören dazu auch das Rote Kreuz, die Volkshilfe und das Hilfswerk.

Sebastian Kurz erklärte, er wolle so oft wie möglich bei den Schulbesuchen dabei sein, in der ersten Phase zumindest einmal in jedem Bundesland. Kosten für die Aktion konnte Kurz vorerst nicht nennen - die Kampagne sei größtenteils im Haus konzipiert worden. Das Projekt wird auch von großen Unternehmen und NGOs unterstützt. Es sei kein parteipolitisches.