Wien. Wenn am Samstag die weitgehend unbekannte "Österreichische Bürgerpartei" (laut Homepage liberal und EU-kritisch) zu einer Anti-Euro-Rettungsschirm-Kundgebung am Wiener Ballhausplatz lädt, ist mit einem Aufmarsch von Neonazis zu rechnen. Diese werben auf einschlägigen Homepages eifrig für die Demo. Was allerdings bei der Bürgerpartei "Straße der Sieger" heißt, wird bei den Rechtsextremen etwa auf einer Seite namens "Stolz und frei" als "Demonstration gegen die europäische Sowjet-Union" bezeichnet.

Es wäre nicht die erste Anti-EU-Demonstration, die von Rechtsextremen unterwandert wird. Schon bei einer Demo gegen den EU-Reformvertrag 2008 marschierten mehr als 300 Neonazis mit und forderten auf Flugzetteln die Freilassung des Holocaustleugners Gerd Honsik. Unter den Demonstranten befand sich auch Szenegröße Gottfried Küssel.

Für die Demo am Samstag werden den "Kameraden" im Internet gleich auch noch "Verhaltensregeln gegenüber der Polizei" mitgegeben: Man müsse sich ausweisen, ansonsten werden "keine Angaben gemacht, weder über dich und schon gar nicht über deine Kameraden".

Bei der Bürgerpartei war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.