Wien. "Meine Hoffnung ist, dass der vor über zehn Jahren eingestellte Dialog für Österreich wieder aufgenommen wird, am liebsten wäre mir eine echte Synode." Benediktinerpater Udo Fischer, Pfarrer von Paudorf, bringt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die Wünsche der Pfarrerinitiative, die im Frühjahr mit ihrem "Aufruf zum Ungehorsam" für Aufsehen gesorgt hat, auf den Punkt. Die Initiative, die inzwischen an die 400 Mitglieder zählt, hält am Sonntag in Linz ihre jährliche Generalversammlung ab.

Dort werden die Reaktionen auf den Aufruf, eine Beurteilung der Lage und allfällige weitere Schritte besprochen, sagte Helmut Schüller, Pfarrer von Probstdorf und Sprecher der Initiative, zur "Wiener Zeitung". Auch er befürwortet einen Gesprächsvorgang innerhalb der römisch-katholischen Kirche in Österreich, der nicht nur Bischöfe und Pfarrer, sondern das ganze Kirchenvolk umfasst. Er ist überzeugt davon, dass die Mehrheit der Katholiken den von der Initiative geforderten Reformen (unter anderem Verheiratete und Frauen in priesterlichen Funktionen) zustimmt.

Ungehorsam, aber auch loyal


Ebenfalls in Linz treffen schon am Samstag vier Reformgruppen, neben der Priesterinitiative die Plattformen "Wir sind Kirche" und "Priester ohne Amt" sowie die Laieninitiative, zu einem Studientag zum Thema "Eucharistie in Zeiten des Priestermangels" zusammen. Für Herbert Kohlmaier von der Laieninitiative geht es darum, die Menschen zu ermutigen, "selbständig zu sein", wenn kein Priester zur Verfügung stehe. Geplant sei auch eine entsprechende Resolution.

Für Helmut Schüller steht fest, dass "die Bischöfe reagieren müssen", bisher hätten seines Wissens nur der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, und der Kärntner Bischof, Alois Schwarz, das Gespräch mit Vertretern der Pfarrerinitiative gesucht. Schönborn verweise bei allen Reformwünschen auf Rom.

Die ab Montag in Salzburg tagende Österreichische Bischofskonferenz wird nach ihrem einleitenden Studientag über die Pfarrgemeinderatswahlen 2012 nicht umhin kommen, ein Statement zu den Pfarrerforderungen abzugeben. Dass die Initiative ihre grundsätzliche Loyalität zur Kirche betont hat, wertet der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer als Zeichen, dass sie sich vom "Ungehorsam" distanziert habe.

Dagegen betont Helmut Schüller, die Loyalität sei nie in Frage gestanden, aber von dem Aufruf rücke man nicht ab: "Wir werden das praktizieren und uns weiter melden." Dass Drohungen oder Zwangsmaßnahmen gegenüber den Initiatoren bisher ausgeblieben sind, bedeutet aus Sicht von Udo Fischer "für die römisch-katholische Kirche schon sehr viel. Das ist sicher ein echter positiver Fortschritt."