Wien. 10.000 Jugendliche brechen jedes Jahr vorzeitig die Schule ab, 30.000 sind auf die Unterstützung der Jugendwohlfahrt angewiesen, und die Finanzkrise verschlechtert ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt auch noch. Auf die Situation von sozial benachteiligten Heranwachsenden möchte die Diakonie mit der Plakatkampagne "Hoffnungsträger" hinweisen. In Österreich sei die Jugendarmut im europäischen Vergleich zwar gering, die Aufstiegschancen von Kindern aus ärmeren Elternhäusern seien aber auch hierzulande "durchschnittlich bis unterdurchschnittlich", bedauerte Sozialexperte Martin Schenk bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien, der einen "Rettungsschirm" forderte.

  Vor allem Jugendliche, die in Armut leben oder aus zerrütteten Familien kommen, brauchen seiner Meinung nach Unterstützung, aber auch Kinder mit Behinderungen. Um ihnen zu helfen, forderte der Sozialexperte, die schulunterstützende Sozialarbeit auszubauen und die Schnittstellen zwischen Schule, offener Jugendarbeit und Berufswelt zu verbinden. Dazu wäre ein gemeinsamer Aktionsplan von Bildungsministerium, Sozialministerium, Wirtschaftsministerium und Jugendagenden sinnvoll, so Schenk.

  Wenn die soziale Schere aufgehe, liege nämlich nicht nur gesellschaftliches Potenzial brach, sondern es verursache auch hohe Kosten für die Gesellschaft. Am meisten zahlen sich soziale Investitionen im frühkindlichen Bereich aus, sagte Schenk. Im Diakonie Zentrum Spattstraße in Oberösterreich beispielsweise werden Eltern im Umgang mit ihren Kindern unterstützt und Kinder im Pflichtschulalter betreut. Außerdem bietet die Einrichtung Jugendlichen in Krisensituationen eine kurzfristige Wohnmöglichkeit, sagte der Leiter Thomas Fux.

  Daniela Lackner von der Diakonie de La Tour in Kärnten berichtete von ihren Erfahrungen als Jobcoach. Sie unterstützt Jugendliche, die in einer sozialpädagogischen Einrichtung der Diakonie leben, bei der Integration in den Arbeitsmarkt und stößt dabei oft an "zeitliche Grenzen", wie sie sagt. "Mit 18 haben viele Jugendliche erst zwei Jahre ihrer Lehre absolviert, eine weitere Betreuung ist dann aber nicht mehr möglich", sagte sie. Diese Altersgrenze kritisierte auch Schenk: "Für viele heißt es am 18. Geburtstag Kerzen ausblasen und gehen", das müsse nicht sein, meinte er und forderte eine die Gewährung der Wohlfahrtsleistungen bis zum 21. Lebensjahr, denn die Folgekosten seien sonst viel höher.