Wien. Es ist fünfeinhalb Jahre her, dass Natascha Kampusch nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft aus dem Verlies von Wolfgang Priklopil in Strasshof an der Nordbahn fliehen konnte. Und es ist fünfeinhalb Jahre her, dass Letzterer Suizid begangen hat. Dennoch kommen immer wieder Zweifel an der Einzeltäter-These auf.

Hatte Priklopil Komplizen? Wurde er vielleicht von einem Mittäter vor den Zug gestoßen? Diese Fragen sind Teil einer Flut von parlamentarischen Anfragen, die FPÖ und BZÖ in den vergangenen Wochen an Justizministerin Beatrix Karl gestellt haben. Wie das ORF-Radio berichtete, basieren diese Anfragen auf einem 25 Seiten langen Schreiben des ehemaligen Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, Johann Rzeszut, der Mitglied der Adamovich-Kommission zur Causa Kampusch war. In dem Schreiben listet er 27 Indizien dafür auf, dass ein Freund Priklopils als Mittäter an der Entführung beteiligt gewesen sein könnte.

Rzeszut war es auch, der fünf mit dem Fall beschäftigten Staatsanwälten, darunter dem Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien, Werner Pleischl, und "Sonderermittler" Thomas Mühlbacher, gravierende Versäumnisse bei den Ermittlungen vorgeworfen hat. Daraufhin ermittelte die Staatsanwaltschaft Innsbruck - ihr Vorhabensbericht liegt derzeit im Justizministerium.

Kommende Woche Klarheit

Dass die Ermittlungen gegen die Staatsanwälte eingestellt würden, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, bestritt man im Ressort von Beatrix Karl. Der Vorhabensbericht werde geprüft, für kommende Woche erwarte man ein Ergebnis. Ein Verfahren gegen die Staatsanwälte wegen Amtsmissbrauchs steht im Raum.

FPÖ und BZÖ sehen jedenfalls eindeutige Hinweise dafür, dass über die Jahre schleißig ermittelt wurde, was Mühlbacher im Ö1-"Mittagsjournal" bestritt. Auch der ÖVP-Mandatar Werner Amon forderte indes neue Ermittlungen in der Causa. Und der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz sprach sich abermals für die Einrichtung eines neuen Untersuchungsausschusses aus.