Wien.

Der WKR-Ball bringt jährlich Gegendemonstrationen mit sich (im Bild Demonstranten, die gegen den Ball des Wiener Korporationsringes am 28. Jänner 2011 protestierten). - © APAweb / Herbert P. Oczeret
Der WKR-Ball bringt jährlich Gegendemonstrationen mit sich (im Bild Demonstranten, die gegen den Ball des Wiener Korporationsringes am 28. Jänner 2011 protestierten). - © APAweb / Herbert P. Oczeret
Der Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) wird höchstens noch einmal in der Hofburg stattfinden. Nach der Ballsaison 2012 werde man nicht mehr als Veranstaltungsstätte zur Verfügung stehen, teilte die Wiener Hofburg Kongresszentrum BetriebsgmbH am Donnerstag per Aussendung mit. Für kommendes Jahr kann die Hofburg den Vertrag nicht kündigen, hofft aber auf eine Absage durch die Burschenschafter.

"Eine Absage des WKR-Balls 2012 durch den Ballveranstalter käme der Hofburg Vienna sehr gelegen", wurde betont. Dass es dazu kommt, sei angesichts des bereits laufenden Kartenverkaufs allerdings nicht anzunehmen, sagte Kongresszentrum-Geschäftsführerin Renate Danler auf APA-Anfrage. Besonders delikat ist allerdings auch das Datum des nächstjährigen Balls: Am 27. Jänner 2012 jährt sich die Befreiuung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 66. Mal.

Die Absage für die Jahre danach wird mit der "aktuellen politischen und medialen Dimension, welche die Abhaltung des WKR-Balles in den letzten Jahren angenommen hat", begründet. Der Beschluss fiel am Donnerstag in der Generalversammlung der Betreibergesellschaft, und zwar laut Danler einstimmig.

In der Aussendung unterstreichen die Betreiber, dass die Hofburg als international ausgerichtetes Kongress- und Veranstaltungszentrum eine politisch neutrale Position einnehme. "Wir stehen jedem Veranstalter offen, der auf Grundlage der Gesetze konstituiert ist, dessen Veranstaltung nicht gegen das Gesetz verstößt und der unsere Vertragsbedingungen einhält."

FPÖ erbost, Grüne jubeln
Die FPÖ hat erbost auf die Verbannung des Balls aus der Hofburg reagiert. Die Eigentümer der Hofburg-Betriebsgesellschaft hätten offenbar "dem linken Mobbing und dem Druck der Straße nachgegeben", so Parteichef Heinz-Christian Strache, selbst Besucher des alljährlichen Burschenschafter-Treffens. Jubel herrschte dagegen bei den Grünen.

  Strache erklärte, im Gegensatz zu den "gewaltbereiten grün-anarchistischen Anti-WKR-Demonstranten" würden am WKR-Ball Leistungsträger teilnehmen, die zum Wohle der Republik tätig, wirtschaftlich erfolgreich und fest in der Gesellschaft verankert seien. Der FP-Chef verwies auf die touristische Bedeutung des Balls und sicherte den Veranstaltern seine volle Unterstützung zu.

  Der Wiener Grünen-Klubobmann David Ellensohn begrüßte die Entscheidung. "Die jahrelangen Proteste und Demonstrationen des antifaschistischen Österreich haben endlich gewirkt", freute er sich. Der Aufstand der Zivilgesellschaft gemeinsam mit den Religionsgemeinschaften, den Grünen und der Wiener SPÖ habe zu einem Umdenken beim Veranstaltungszentrum und seinen Gesellschaftern geführt.

Der WKR-Ball findet seit 43 Jahren immer am letzten Freitag im Jänner in der Wiener Hofburg statt. Der Wiener Korporationsring ist ein Zusammenschluss von Studentenverbindungen, die laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands dem deutschnationalen bis rechtsextremen Milieu entstammen. Immer wieder wird kritisiert, dass dabei neben FPÖ-Repräsentanten auch Mitglieder rechtsextremer Burschenschaften teilnehmen. Alljährlich gibt es deshalb Kritik, Gegendemos und Ausschreitungen.