Am 24. Dezember essen die Bulgaren nur fleischlose Gerichte, die immer eine ungerade Anzahl haben sollen - sieben, neun oder elf. Typisch für das Festmahl am Heiligen Abend sind Weintraubensarmarouladen mit Reis, gebackener Kürbis mit Honig und Walnüssen, gefüllte Paprika mit gekochten Bohnen oder getrocknete Früchte. Das Einhalten der Tradition ist selbst für die bulgarischen Studenten in Österreich, die zu Weihnachten nicht bei ihren Familien sein können, ein Muss. An ihren Festtischen sehen die Sarmarouladen oft so aus, als wären sie von einem surrealistischen Bildhauer gemacht.

Man bäckt auch eine große "Banitza" - einen Blätterteigkuchen, ähnlich dem türkischen Börek. In die Banitza steckt man Glückwünsche, die man um einen kleinen Kirschenzweig wickelt. Die Glückwünsche sind ganz traditionell Liebe, Glück und Gesundheit, aber auch materielle Dinge wie ein neues Haus, ein neues Auto oder eine Weltreise. Das größte Glück soll aber die Münze bringen. Derjenige, der sie bekommt, soll sich im nächsten Jahr über finanzielles Glück freuen. Seitdem Bulgarien in der EU ist, benutzt man häufig eine Euromünze als Glücksbringer.

Das staatliche Fernsehen überträgt in Bulgarien die Weihnachtsmesse aus der Kathedrale "Hl. Alexander Njewski" in Sofia, die aber von Jung und Alt kaum wahrgenommen wird. Während zu Ostern in der Nacht von Samstag auf Sonntag viele Menschen, besonders im Ausland, den Gottesdienst besuchen, bleiben zu Weihnachten die meisten zu Hause. Am 25. Dezember isst man gebackenes Schweinefleisch und unter dem Einfluss von Hollywood neuerdings auch Truthahn. Der ist aber nicht wie bei den Amerikanern gefüllt, sondern wird mit Sauerkraut, eingetaucht in roten Pfeffer, genossen.

Nicht ohne Melomakarona!

Die Griechen feiern Weihnachten ähnlich wie die Bulgaren, nur wurde die Tradition der Weihnachtsfeier nicht von 45 Jahren Kommunismus unterbrochen. Die Familien, die die Fastenzeit eingehalten haben, besuchen am 24. Dezember die Kirche, wo sie sich von ihren Sünden "reinigen". Am nächsten Tag isst man am Festmahl Schweinefleisch, Krautrouladen und verschiedene Salate. Auch gefüllte Hühner und Truthähne sind für das Weihnachtsfestmahl gewöhnlich, und die traditionellen griechischen Süßigkeiten "Melomakarona". Die Familien, die die Fastenzeit nicht eingehalten haben, beginnen mit dem Festmahl schon am Heiligen Abend. Ein interessanter Brauch in Griechenland ist das Schmücken von Schiffen, was aus der alten Seefahrttradition des Landes stammt. Der Weihnachtsbaum und das Geschenke-Verteilen drangen in Bulgarien und in Griechenland erst später unter Einfluss der westlichen Kultur ein.

Giorgos, der seit fast 30 Jahren in Österreich lebt und ein griechischer Lebensmittelladen in Wien betreibt, sagt: "Ich bin mit einer Österreicherin verheiratet und zu Hause ist sie der Chef. Ich feiere Weihnachten wie die Österreicher. Aber ohne Kourabiedes, die griechischen Vanillekipferln, kann ich mir Weihnachten nicht vorstellen. Die isst jeder. Ich bin nach Österreich gekommen und halte mich an die hiesigen Regeln. Ich hoffe, Gott wird mir verzeihen, wenn ich nicht faste."

Einige griechisch-orthodoxe Christen werden aber die Feiertage nutzen, um für eine Woche ihre Verwandten in Griechenland zu besuchen. Und was für Geschenke werden von ihnen erwartet? Am liebsten eine dicke Brieftasche voll mit Euros.