Wien. Der Wiener Landtag hat sich am Donnerstag mit den Missbrauchsvorwürfen gegen ehemalige städtische Kinderheime befasst. Die Sondersitzung war von der FPÖ beantragt worden. Der freiheitliche Klubchef Johann Gudenus kritisierte dabei einmal mehr die Stadt für ihren Umgang mit den Vorwürfen und Verdachtsfällen: "Seit Jahrzehnten wird hier im roten Wien vertuscht." Er forderte: "Die Täter müssen vor den Vorhang." Zudem gelte es, die politische Verantwortung zu klären.

ÖVP-Abgeordnete Ines Anger-Koch forderte eine umfassende Aufklärung der "ungeheuren Vorkommnisse". Dazu müssten unter anderem, so verlangte sie, die Mitarbeiter des Magistrats von ihrer Amtsverschwiegenheit entbunden werden, damit die Kommission umfassend recherchieren könne. Diese sollte sich, so befand sie, jedoch nicht nur mit dem Wilhelminenberg beschäftigen. Sie forderte zudem, dass das Gremium regelmäßig Berichte an den zuständigen Gemeinderatsausschuss übermittle.

Am Ende doch Einigkeit

SPÖ und Grüne verwehrten sich gegen den Vorwurf der Vertuschung. Die Grünen verwiesen auf die bereits gesetzten Schritte - die Einsetzung der Wilhelminenberg-Kommission sowie die Einbeziehung der Opferschutzorganisation Weißer Ring, die für die Abwicklung von Hilfeleistungen für die Betroffenen zuständig ist. SPÖ-Gemeinderat Heinz Vettermann sagte schließlich: "Die Täter vor den Vorhang, einverstanden." Doch einfach sei die Aufarbeitung nicht. Es gebe viele Beschuldigte und auch Fälle mit unterschiedlichen Darstellungen.

Am Ende der Sitzung zeigte sich dann doch noch Einigkeit: Der Landtag beschloss einen Vier-Parteien-Antrag mit insgesamt 49 Fragen an die Helige-Kommission. Unter anderem mit folgendem Wortlaut:

  • War im Kinderheim Schloss Wilhelminenberg in der Zeit zwischen 1972 und 1978 auch männliches Personal tätig?
  • Wurde das Kinderheim Schloss Wilhelminenberg in der fraglichen Zeitspanne von der Stadt Wien überprüft?
  • Gab es Hinweise, dass der sexuelle Missbrauch von Heimkindern in systematisch gewerblicher Form erfolgte?
  • Stimmt es, dass Dr. Heinrich Gross als Hausarzt für das Kinderheim Schloss Wilhelminenberg tätig war?
  • Ist es wahr, dass behinderte Kinder von Dr. Heinrich Gross abgeholt wurden und diese zumindest zum Teil nicht mehr zurückkamen?
  • Ist es zutreffend, dass das damals im Kinderheim Schloss Wilhelminenberg vorherrschende System als Fortführung des NS-Erziehungswesens bezeichnet werden kann?

Die Kommission unter Barbara Helige soll diesen Fragen nachgehen und für eine lückenlose Aufklärung sorgen; beziehungsweise die Verantwortlichen finden.