Wien. Ausländer beziehen weniger Familienbeihilfe als Einheimische. Bei Sozialleistungen zählen Zuwanderer ohnehin zu den Nettozahlern. Mit solchen und vielen weiteren Informationen zu Migranten versorgt seit einem halben Jahr die "Medien-Servicestelle Neue ÖsterreicherInnen" die Öffentlichkeit. Mehr als 60 Artikel sind bisher erschienen, um die 100 Studien wurden in die Bibliothek aufgenommen. "Wir wollen wegkommen von den hitzig geführten Debatten, hin zu einer neutralen Berichterstattung, die vor allem die realen sozialen Lebensbedingungen von Migranten betrifft", betont der Chefredakteur Zarko Radulovic.

Es sind vor allem Hintergrundinformationen zu aktuellen Entwicklungen, mit denen die Medien-Servicestelle Medienleute und Interessierte versorgt. Am 28. Dezember wird es etwa genau 50 Jahre her sein, dass das Raab-Olah-Abkommen unterzeichnet wurde. Es war der Startschuss für die Anwerbung von sogenannten "Gastarbeitern". Grund genug für die Servicestelle, in einer Reihe von Aussendung auf die Leistungen und Lebensbedingungen dieser ersten Generation von Zuwanderern aus Exjugoslawien und der Türkei aufmerksam zu machen. Nur 3,3 Prozent wollten ursprünglich eigentlich in Österreich bleiben. Viele verdienten deutlich weniger als die angestammte Bevölkerung, wohnte aber teils in überteuerten Wohnungen, für die sie teils doppelt so viel zahlten. Heute geht genau diese Generation in Pension - und denkt nicht an Rückkehr.

Zarko Radulovic stößt auf erstaunliche Informationen.
Zarko Radulovic stößt auf erstaunliche Informationen.

Radulovic ist um Sachlichkeit bemüht, aber das Thema lässt ihn nicht kalt. Er ist selber ein serbisches "Gastarbeiterkind" - "ein ganz klassisches", wie er bemerkt, und strahlt. "Im November 1970 sind meine Eltern genau hier drüben gestanden." Er deutet auf den Südbahnhof. "Sie hatten nichts bei sich, außer ein Plastiksackerl mit den nötigsten Kleidungsstücken und Plastikgeschirr, und etwas Geld, das gerade für die Rückfahrkarte gereicht hätte." In der Heimat hatten seine Eltern wie so viele Exjugoslawen vor allem über Mundpropaganda von dem Anwerbekommen Österreichs erfahren. "Mich holt meine Vergangenheit immer ein, wenn ich an das Leben meiner Eltern denke, etwa wenn wir uns mit den Lebensbedingungen der Gastarbeiter beschäftigen und draufkommen: Sie haben unglaublich harte Arbeit geleistet."

Radulovic wuchs in einer 28-Quadratmeter-Wohnung in Wien auf. "Meine Eltern wollten nur für ein paar Jahre, höchstens ein paar Monate kommen" - sie sind noch heute da. Für Zarko Radulovic selbst war es lange Zeit unklar, wo er überhaupt zur Schule gehen wird. Teils verbrachte er seine frühesten Kindheitsjahre bei seinen Großeltern in Exjugoslawien. Mit Dankbarkeit denkt er an seine Volksschullehrerin zurück, die ihn in der ersten Klasse trotz seiner "bescheidenen Deutschkenntnisse" sehr gefördert hat. Zwei Jahre später assistierte er ihr beim Deutschunterricht neuer Erstklässler mit Deutschproblemen. Nicht alle Lehrer waren so entgegenkommend. Später sagt ein Lehrer an der Handelsakademie zu ihm von der ersten Klasse an mehrmals: "Radulovic, gehen Sie hackeln. Die Schule ist nichts für sie."