Wien. Das Innenministerium verrät nicht, ob der umstrittene Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) unter Beobachtung durch den Verfassungsschutz gestellt wird oder nicht. In einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch Ressortchefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) heißt es lediglich, Studentenverbindungen seien für die Sicherheitsbehörden "nur im Zusammenhang mit sicherheitspolizeilichen oder strafrechtlich relevanten Umständen von Interesse".

"Der Begriff 'Rechtsextremismus' ist der österreichischen Rechtsordnung fremd", stellt das Ministerium klar. Lediglich Nationalsozialismus als Teil rechtsextremistischer Ideologien beziehungsweise die nationalsozialistische Wiederbetätigung seien im Verbotsgesetz abgebildet und entsprechende Tatbestände normiert. Allerdings wird auf eine Liste "zentraler Elemente" verwiesen, an denen man "verfassungsfeindliche extremistische Einstellungen" festmachen könne, wie etwa Antipluralismus, Autoritarismus sowie "nationalisierende Geschichtsbetrachtung bis hin zum Revisionismus". Das Vorliegen eines einzelnen Elements sei allerdings "nicht ausreichend für die Zuordnung zu einer rechtsextremistischen Ideologie".

Der Grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger wollte von Mikl-Leitner auch wissen, ob ihrem Ressort bekannt sei, dass Mitglieder verschiedener Burschenschaften sowie frühere Ballbesucher "rechtsextrem" oder Neonazis seien. Eine Frage lautete auch: "Ist Ihnen bekannt, ob TeilnehmerInnen des Balls in Verbindung mit dem Neonazi-Netzwerk Alpen-Donau stehen oder standen?" Die pauschale Antwort des Innenministeriums auf mehr als ein Dutzend Fragen: "Nein."

UNESCO will "Wiener Ball" als Kulturerbe neu prüfen
Der Wirbel um den Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) hat die UNESCO veranlasst, den "Wiener Ball" als immaterielles Weltkulturerbe grundsätzlich neu zu prüfen. "Im Sinne der Grundprinzipien der UNESCO werden wir die vom Fachbeirat eingereichte Bewerbung des 'Wiener Balls' als immaterielles Kulturerbe einer genauen Prüfung bzw. Revision unterziehen und Anfang Februar zu einer Entscheidung kommen", kündigte die Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, Eva Nowotny, am Mittwoch via Aussendung an.

"Wesentlich ist es festzuhalten, dass es beim Kulturerbe 'Wiener Ball' keinesfalls um einzelne Bälle geht, sondern um die Tradition bzw. das Format des Wiener Balls an sich", so Nowotny. So sei der Philharmoniker Ball im Verständnis des Kulturerbes genauso ein Wiener Ball, wie es beispielsweise der Kaffeesiederball. Grundsätzlich stellte die Präsidentin fest, dass es Ziel der UNESCO sei, "durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Nationen in Bildung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen".

Indes meldete sich auch der grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger empört zu Wort: "Die Entscheidung, den WKR-Ball als Teil österreichischen Kulturerbes anzuerkennen, kann nur ein geschmacksloser Faschingsscherz sein." Immerhin seien Vertreter von fünf Ministerien und aller neun Bundesländer an dem Beschluss beteiligt gewesen. Die Entscheidung gehöre sofort zurückgenommen.

Empörung herrschte ebenfalls bei Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ): "Ein Ball, auf dem sich Jahr für Jahr international bekannte Rechtsextreme die Klinke in die Hand geben, hat aus meiner Sicht nichts mit österreichischem Kulturerbe zu tun", meinte er in einer Aussendung. Darabos hatte Soldaten des Österreichischen Bundesheeres bereits zuvor verboten, beim WKR-Ball in Uniform zu erscheinen.