Wien. Eine etwas andere Integrationsleistung vollbrachte das Ethnomagazin "Kosmo": Es organisierte die erste Miss-Kosmo-Wahl, deren Siegerin beim Finale der Miss-Austria-Wahl 2012 mitmachen wird. Bisher konnten nur die zwei Erstplatzierten der Bundeslandendwahl beim Miss-Austria-Wettbewerb teilnehmen. Heuer steigt erstmals die Miss Kosmo anstelle der zweiten Miss Wien in dieses Rennen ein.

"Seit Jahrzehnten melden sich sehr wenige Mädchen, die aus dem Balkan-Raum stammen, bei der Miss-Austria-Wahl an", erzählt "Kosmo"-Herausgeber Dejan Sudar der "Wiener Zeitung". Das soll sich dieses Jahr ändern: "Wir wollen die Frauen integrieren." Die exjugoslawische Community ist auch Zielgruppe des Gratis-Monatsmagazins "Kosmo", das über eine Auflage von 120.000 Stück verfügt. Die jungen Frauen aus der Balkan-Community seien "etwas schüchtern", meint Sudar, "vor allem wenn es darum geht, sich in der breiten Öffentlichkeit zu zeigen. Auf der Balkan-Straße in Wien-Ottakring laufen sie zwar im Minirock herum, woanders sind sie zugeknöpfter."

Die Siegerin Stephanie Djordjevic will sich neben ihrer Pizzeria auch weiterhin dem Model-Geschäft widmen. Fotos: Andreas Pessenlehner - © Wiener Zeitung
Die Siegerin Stephanie Djordjevic will sich neben ihrer Pizzeria auch weiterhin dem Model-Geschäft widmen. Fotos: Andreas Pessenlehner - © Wiener Zeitung

Bei den Miss-Kosmo-Vorausscheidungen im Dezember sind 110 Bewerberinnen gegeneinander angetreten, zehn von ihnen haben es ins Finale geschafft, das Donnerstagabend im Club Babu in Wien über die Bühne ging. "Jede Finalistin hat eine besondere Geschichte und hat unter Beweis gestellt, dass Integration möglich ist", betonte Sudar. Attraktivität und Ausstrahlung seien zwar Bedingung, aber nicht das einzige Kriterium. "Wir haben bei unserer Auswahl sehr darauf geachtet, junge Frauen zu finden, die sich ihrer familiären Wurzeln bewusst sind und mit beiden Beinen mitten im Leben stehen."

Auch die Jurorin Joe Danzinger hielt fest: "Hier wird eine Miss gewählt, kein professionelles Model." Sicher seien die gute Figur und das Äußere wichtig, doch davon abgesehen müssten die Damen vor allem die Herzen gewinnen können, eloquent sein und ein gutes Auftreten haben. Nichts wollte man hier vom Schönheitsideal in "Silicon Valley" wissen - jenem Viertel im Belgrader Zentrum, das nicht nur bekannt ist für sein teures Nachtleben, das es zum Tummelplatz der serbischen Neureichen machte, sondern auch für die chirurgisch "verbesserte" Schönheit der dortigen Frauen, die ihm auch seinen bösen Spitznamen gegeben hat.

Alle Finalistinnen beherrschen mindestens drei Sprachen fließend - abgesehen von Deutsch und Englisch auch eine der Balkan-Sprachen, wobei wechselweise Serbisch, Kroatisch oder Serbokroatisch angegeben werden, was wohl eher eine politische Entscheidung sein dürfte. "Jede steht für etwas", betont Danzinger, aber bei keiner sei Model der einzige Berufswunsch. "Sie haben alle begriffen, dass es im Leben nicht genügt, schön zu sein." Die Teilnehmerin Marina Nestorovic ist etwa Angestellte bei der Raiffeisen-Bank und dort auch im Ethno-Bereich tätig.