Wien. (kats) Menschen mit Migrationshintergrund sind am österreichischen Arbeitsmarkt massiv benachteiligt. So weit, so bekannt. Eine detaillierte Analyse der Ursachen für diese Benachteiligung und ihrer Auswirkungen hat nun das Wiener Sozialforschungsinstitut L&R Sozialforschung im Auftrag der Arbeiterkammer Wien vorgelegt. Dafür wurden 2300 Arbeitnehmer, davon rund 2000 aus der ersten und zweiten Zuwanderergeneration, befragt. Ein zentrales Ergebnis: Jeder dritte Migrant in Wien wird unterhalb seines Ausbildungsniveaus eingesetzt. Und das, obwohl Migranten mehrere Sprachen sprechen und - je nach Herkunftsland - überproportional oft über eine akademische Ausbildung verfügen.

Interessant ist, dass diese Entwicklung nicht ausschließlich auf Schwierigkeiten bei der Nostrifikation der Abschlüsse zurückzuführen ist. Denn selbst wenn die Nostrifikation erfolgreich ist, führt das nur in 50 Prozent der Fälle zu einem ausbildungsadäquaten Einsatz. Dazu kommen hohe Einkommensunterschiede: Nur 20 Prozent der Beschäftigten ohne Migrationshintergrund verdienen 1400 Euro netto, bei den Migranten sind es 60 Prozent. Zudem sind Migranten überproportional oft arbeitslos.

Ruf nach besserer Maßnahmenkoordination

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam im Herbst 2011 die OECD. Demnach ist der Anteil von überqualifiziert Beschäftigten Migranten in Österreich einer der höchsten innerhalb der OECD. Die Studienautoren forderten damals vor allem eine "wirksame Maßnahmenkoordination auf Bundesebene". Gerade bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen mangle es an Koordination und Transparenz, so die Kritik.

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz hat am Wochenende im Interview mit der "Wiener Zeitung" erklärt, dass eine interministerielle Arbeitsgruppe derzeit an einer vereinfachten Anerkennung ausländischer Abschlüsse arbeitet. Bis zum Sommer soll diese erste Vorschläge liefern. Ziel ist es laut Kurz, dass zumindest die Zahl der Anlaufstellen (derzeit müssten zum Beispiel Nostrifikationen von medizinischen Abschlüssen bei der Universität, der Stadt, dem Wissenschaftsministerium und gegebenenfalls bei der Ärztekammer erfolgen) reduziert wird. Erste Vorschläge soll die Arbeitsgruppe bis zum Sommer liefern. Dies sei ein langwieriger Prozess, sagte Kurz - heuer will er aber immerhin eine Informationsbroschüre zu dem Thema herausgeben. Auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner sieht in der mangelnden Anerkennung ausländischer Qualifikationen "ein Problem, gegen das man durchaus ankämpfen muss". Schließlich lasse man hier Potenzial liegen, sagte er am Dienstag. Und Sozialminister Rudolf Hundstorfer sagte in Ö1: "Wir können nicht auf der einen Seite nach Fachkräften rufen und auf der anderen Seite, wenn wir sie haben, irgendwie anders verwenden, das passt nicht zusammen."