Wien. Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer und der Wiener Kammer, Walter Dorner (69), zieht sich zurück. Dorner kündigte an, dass er bei der Wiener Ärztekammerwahl im März nicht mehr als Präsident kandidieren wird. Damit kann er laut Statuten auch als Präsident der Bundeskammer nicht mehr antreten. Als Nachfolger schlägt Dorner den derzeitigen Vizepräsidenten der Wiener Kammer, Johannes Steinhart (57), vor, der sich zuletzt vor allem mit dem in scharfen Worten vorgetragenen Widerstand gegen die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) exponiert hat.

Die Chancen, dass Steinhart in der Wiener Kammer zum Präsidenten gewählt wird, schätzt Dorner als gut ein. Das Rennen in der Bundes-Ärztekammer ist hingegen völlig offen. Der scheidende Präsident wollte die Chancen Steinharts dort nicht beurteilen, zumal noch nicht einmal klar ist, wer seine möglichen Gegenkandidaten sein werden. Der Bundes-Ärztekammerpräsident wird bei der Vollversammlung am 22. Juni aus dem Kreis der Landespräsidenten gewählt. Zuvor werden im März die Wahlen in den einzelnen Landeskammern abgehalten, auf Basis dieser Ergebnisse werden die Landespräsidenten gewählt.

Dorner will sich zwar von der Spitze zurückziehen, nicht aber aus der Standespolitik generell. Er werde zwar nicht mehr als Spitzenkandidat zur Verfügung stehen, aber so kandidieren, dass er die Möglichkeit habe, im Vorstand und in der Vollversammlung der Wiener Ärztekammer zu bleiben, kündigte Dorner an. Er will sich dann vor allem um die Erarbeitung grundsätzlicher Konzepte zur Ausbildung angehender Ärzte kümmern.

Gelassen nimmt der scheidende Ärztekammer-Präsident Walter Dorner Vorwürfe, mit dem von ihm für die Wiener Kammer vorgeschlagenen Nachfolger Johannes Steinhart einen "Hardliner" an die Spitze zu bringen. "Das ist vielleicht nicht schlecht", sagte Dorner im Gespräch mit der APA. "In gewissen Bereichen war er nicht kompromissbereit, um die Forderungen der Wiener Ärzte durchzusetzen." Steinhart habe aber auch gelernt, "wenn er Kanten zeigt, gerundete Kanten zu zeigen". Und beim Thema ELGA, wo sich Steinhart besonders deutlich zu Wort gemeldet hat, habe er "in allen Punkten recht", zeigte sich Dorner überzeugt.

Dorner wünscht sich jedenfalls als Wiener Präsident einen Nachfolger, der "im täglichen Leben steht", der "weiß, was im Spital los ist, der eine Ordination führt und der auch weiß, wie man mit den sozialen Krankenversicherung Verhandlungen führt". Diese Voraussetzungen bringe Steinhart am besten mit, er habe "die nötige Qualität und das nötige Wissen", ist der scheidende Präsident voll des Lobes für seinen von ihm gewünschten Nachfolger. "Er weiß, wie man für die Kollegen arbeitet."

Als Hauptgrund für seinen Rückzug führte Dorner an, dass er nicht nur seit fünf Jahren Präsident der Bundeskammer ist, sondern schon seit 13 Jahren die Wiener Kammer führt. "Einen Etikettenschwindel" hätte er nicht gewollt, indem er sich jetzt noch einmal zum Präsidenten wählen lässt und dann mitten während der Amtsperiode das Amt zur Verfügung stellt. "Keine Rolle" hätten die Auseinandersetzungen innerhalb der Ärztekammer gespielt, die ihm im Vorjahr Rücktrittsaufforderungen der Niederösterreichischen Kammer und des Hausärzteverbandes wegen seiner grundsätzlichen Zustimmung zu ELGA in der Bundesgesundheitskommission eingetragen haben, versicherte Dorner. Für ihn sei es jedenfalls an der Zeit, die Verantwortung an eine "jüngere Generation" zu übergeben, meinte der 69-Jährige.