Wien. (zaw) Eines kann man Peter Hochegger nicht absprechen, nämlich dass er bei der Auswahl der Personen, die er für sich arbeiten ließ, parteiisch war. Vielmehr standen Vertreter aller politischen Lager - entweder als Berater oder als Mitarbeiter seines Unternehmens - auf der Payroll des Lobbyisten.

Aus dem freiheitlichen Lager (blau oder orange) waren das etwa Walter Meischberger, Mathias Reichhold, Reinhard Gaugg oder Hubert Gorbach sowie dessen frühere Pressesprecherin.

Die FPÖ beeilte sich am Donnerstag festzuhalten, dass die Genannten "im fraglichen Zeitraum nicht oder nicht mehr für die Partei tätig waren", aus dieser ausgetreten oder ausgeschlossen waren. "Daher sind die Versuche des politischen Gegners, der FPÖ diese Herrschaften unterzujubeln verständlich, aber nicht richtig." Die heutige Strache-FPÖ habe mit den damaligen Vorgängen nichts zu tun.

Von der ÖVP nannte Hochegger neben Ex-Innenminister Ernst Strasser auch Telekom-Gewerkschafter Franz Kusin (140.000 Euro an Beraterhonorar), die früheren Parteimitarbeiter Andreas Schneider und Martin Jenewein, die nun selbst eine gemeinsame PR-Agentur betreiben, den früheren Kabinettschef von Staatssekretär Reinhold Lopatka und Ingrid Krenn-Ditz, Ex-Büroleiterin im Wirtschaftsministerium. Diese war 1999 bis 2001 in Hocheggers PR-Firma angestellt, betont aber, nie mit der Telekom zu tun gehabt zu haben. Auch will sie nicht der ÖVP zugerechnet werden, obwohl ihr Mann, Johannes Ditz, in den 90ern ÖVP-Minister war.

Während die einen nichts dabei finden, für den einst hochangesehenen PR-Profi gearbeitet zu haben, stellen andere jegliche Beziehungen zu Hochegger vehement in Abrede.

Dazu gehört Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der laut Hochegger 2010 für Beratungsleistungen ein Jahresgehalt von 100.000 Euro bekommen haben soll. Stimmt nicht, lässt Gusenbauer über seinen Anwalt ausrichten. Er habe "zu keine Zeit, weder direkt noch indirekt, für Herrn Peter Hochegger gearbeitet". Was der Lobbyist behaupte, sei "unwahr", das Jahresgehalt von 100.000 Euro "frei erfunden".

Neben Gusenbauer sollen von der SPÖ auch Ex-Kommunikationschef Heinz Lederer, Ex-Zentralsekretär Peter Schieder (Vater von Staatssekretär Andreas Schieder), Pensionistenchef Karl Blecha, der aktuelle Kommunikationschef Oliver Wagner, der Nationalratsabgeordnete und frühere rote Telekomsprecher Kurt Garlehner und der aktuelle Pressesprecher von Verteidigungsminister Norbert Darabos, Stefan Hirsch, für Hochegger gearbeitet haben. Für Stefan Hirsch ist das auch "keine Schande". Er habe nach dem Studium von 2002 bis 2005 bei Hocheggers PR-Firma - damals immerhin die zweitgrößte im Land - angeheuert. "Das war mein Berufseinstieg, noch bevor ich in die Politik gewechselt bin", sagt Hirsch zur "Wiener Zeitung". Politisch habe er für Hochegger aber nie gearbeitet.

Auch Grüne standen auf Hocheggers Payroll. Allen voran Ex-Mandatarin Monika Lanthaler (die jegliche Verwicklungen in die Telekom-Affäre von sich weist) und Ex-Mitarbeiter des grünen Parlamentsklubs. Dazu heißt es aus der Partei: Alle genannten Personen seien weder Grün-Funktionäre noch -Politiker.

Hochegger verteilte an Politiker aber nicht Beraterhonorare, sondern auch als Zuwendungen, etwa wenn die Telekom nicht offiziell als Sponsor auftreten wollte. So bekam Ex-ÖVP-Bauernbundchef Fritz Grillitsch 20.000 Euro für eine Kampagne zur Verbreitung des Internets am Land. Auch SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas bekam für ein Projekt 20.000 Euro.