Ried. Die Biertische stehen eng an eng. Schon lange vor dem Einzug von FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache ist die Luft zum Schneiden, der Saal mit rund 2000 FPÖ-Sympathisanten prall gefüllt. Für 13 Euro bekommen die Gäste eine Portion Heringkäse, eine Halbe Bier und die politische Weltsicht der FPÖ. Der inszenierte Einzug passt mit seiner hippen Partymusik so gar nicht in die anachronistische Jahn-Turnhalle. Doch das stört beim politischen Aschermittwoch der FPÖ niemand. Der Jubel ist groß als der oberösterreichische Landesparteichef Manfred Haimbuchner und Strache einziehen. Hände werden geschüttelt, Strache hat ein breites Lächeln auf den Lippen, klatscht mit seinen Anhängern ab, HC-HC-Rufe werden angestimmt.

Das Lächeln wird Strache später bei seinem Rundumschlag gegen die politischen Mitbewerber, die Regierung, die EU und die Medien gegen einen grimmigen Blick eintauschen. Doch zuvor heizt Gastgeber Haimbuchner die Stimmung an – und tut sich schwer damit. Seine Ausführungen zur oberösterreichischen Landespolitik werden mit Applaus begleitet. Gejohlt wird erst später, als Haimbuchner auf Förderungen zu sprechen kommt. "Ein Kulturverein mit dem Namen Jonathan Basar", führt er aus, "wird gefördert für ein Projekt: ,Sag mir, wie ist Afrika?‘" Zum ersten und einzigen Mal an diesem Abend gibt es beim Stichwort Afrika Buh-Rufe. "Was hat das mit Integration zu tun,", fragt Haimbuchner und gibt sich die Antwort selbst: "Soviel wie Conchita Wurst mit niveauvoller Unterhaltung. Die sollen nicht wissen wie Afrika ist, sondern wie Oberösterreich ist!" Jubel brandet auf.

Die Subventionen spricht auch Strache in seiner Rede an. Auch er bringt als Beispiel einen Verein für Migranten. All das will Strache "ersatzlos streichen". Für den Fall, dass er Bundeskanzler wird. Einige Ansagen, was er für einen Wahlsieg und eine Kanzlerschaft plant, macht Strache, sie bleiben im Vergleich zu Verbalschlägen gegen die Konkurrenz und die EU aber in der Minderheit. Die ORF-Gebühren will Strache abschaffen und verbindliche Volksabstimmungen einführen, die Einkommenssteuer senken und Familien mit mehr als zwei Kindern entlasten. "Und den Asylmissbrauch werde ich abstellen", ruft Strache. Wieder brandet großer Jubel auf.

Zum Schluss seiner Rede rechnet Strache noch einmal seine auf Facebook angestellte, unscharfe Vergleichsrechnung der Zuwendungen für eine Asylwerber- und Facharbeiter-Familie vor und schließt daraus, "dass Asylwerber anscheinend mehr Wert sind als die ehrlichen, arbeitenden Menschen in diesem Land." Die Ereignisse rund um den WKR-Ball, die Strache einen Orden kosteten, streift Strache nur am Rande. Er sei Bundespräsident Heinz Fischer nicht böse, richtet ihm aber dennoch aus: "Der Herr Bundespräsident hat nicht nur die Statur eines Nordkoreaners, sondern auch die Gesinnung eines KP-Funktionärs."

"Wir werden es schaffen. Es wird der Wind durch uns gedreht werden. Glück auf!", schließt Strache und setzt nach gut eineinhalb Stunden grimmigen Blickes wieder sein breites Lächeln auf. Inzwischen sind unzählige Bierkrüge geleert, die Köpfe eine Spur roter und wie beim Einzug gibt es stehende Ovationen.

Kaffee statt Bier

Donnernden Applaus gab es aber auch bei einer Konkurrenzveranstaltung im Palais Epstein in Wien: Zum zweiten Mal hatten Helene Jarmer, die Behindertensprecherin der Grünen, und ihr ÖVP-Kollege im Parlament, Franz-Joseph Huainigg, zum "Politischen Aschermittwoch aus anderer Sicht" geladen. Statt Bier gab es Kaffee "und statt rechter Sprüche kluge Sätze". So kritisierte Jarmer, dass behinderte Menschen auf dem Weg ins Berufsleben große Hindernisse zu überwinden hätten und sie daher doppelt so oft von Arbeitslosigkeit betroffen seien wie andere. Huainigg plädierte für eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Behinderungen. Er forderte ein "Triple B" für Behinderte: Barrierefreiheit, Beschäftigung und selbst bestimmtes Leben.

Auch der ÖVP-Wirtschaftsbund hatte zum politischen Aschermittwoch geladen. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl warnte in Klagenfurt vor einem neuen "Abkassierpaket" nach 2013. Das aktuelle Sparpaket garantiere nicht, dass nicht ein neues nötig werde, polterte Leitl.