Wien. (rös) In der heißen Phase des Wahlkampfes bei der Ärztekammer fordert der niederösterreichische Spitzenkandidat Harald Schlögel die Wiedereinführung der Ambulanzgebühr: 20 Euro soll dem Patienten künftig der Besuch einer Ambulanz kosten, schlägt Schlögel vor.

"Alleine in Niederösterreich sind die Kosten der ambulanten Patientenversorgung seit 2001 um 130 Prozent gestiegen", beklagt Schlögel. Ausgenommen werden sollen Patienten mit Überweisungen und Kinder bis zum 15. Lebensjahr. Abgerechnet werden soll die Ambulanzgebühr wie die Rezeptgebühr, schlägt Schlögel vor.

Auf Bundesebene stößt dieser Vorstoß durchaus auf Verständnis - wenngleich man es hier ein wenig vorsichtiger formuliert: "Österreichweit muss man einmal schauen, was die Gesundheitsreform bringt", heißt es aus der Bundeskammer. "Ziel ist aber auf jeden Fall ein massives Entlasten der Ambulanzen und die Neudefinition des niedergelassenen Sektors". Die Zustände in Niederösterreich seien jedenfalls "desaströs". Und die bundesweite Einführung einer Ambulanzgebühr "nicht auszuschließen".

Einer OECD-Studie zufolge sei Österreich Spitzenreiter bei vermeidbaren Spitalsaufenthalten: "Während etwa Bluthochdruck, Asthma oder Bronchitis in vergleichbaren Ländern wie Deutschland oder Dänemark von niedergelassenen Ärzten behandelt werden, landen diese Patienten bei uns im Spital", so Schlögel.

Im Gesundheitsministerium betont man, "grundsätzlich kein Befürworter einer Ambulanzgebühr zu sein". Nachsatz: "Wir arbeiten gerade an einer Reform für Patienten - und nicht an Maßnahmen, wie wir sie zusätzlich belasten können." Und Kritiker vermuten hinter der Forderung überhaupt nur Profilierungsversuche innerhalb der Ärztekammer: Diesen Monat wählt sie nämlich ihre Landespräsidenten. Im Juni folgt die Wahl des Bundes-Chefs.